„Sicheres WhatsApp für Soldaten“ – Der Messenger für die Bundeswehr

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Bundeswehr, Innovation

Messaging ist eine schnelle und praktische Art der Kommunikation. Über zwei Milliarden Menschen nutzen weltweit allein den Marktführer WhatsApp. Auch Unternehmen und Behörden können von der Technologie profitieren. Gerade in der Pandemie-Situation, in der viele Unternehmen und Behörden auf Home Office umstellen, um persönliche Kontakte zu vermeiden und eine Verbreitung des COVID-19-Virus zu verlangsamen. Das gilt auch für die Bundeswehr, deren Angehörigen dadurch mehr denn je auf moderne Kollaborations- und Kommunikationstools angewiesen sind.

Für hoheitliche Aufgaben und damit für den Einsatz bei der Bundeswehr sind kommerzielle Messenger-Produkte jedoch ungeeignet. Insbesondere die Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit der Daten ist nicht gegeben. Damit entsprechen sie nicht den Anforderungen der deutschen Streitkräfte. Es solle ein „sicheres WhatsApp für Soldaten“ geben. Das teilte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer Dezember letzten Jahres gegenüber dem Bundestagsausschuss Digitale Agenda mit. Seit 16. November steht der BwMessenger in den App Stores für Android und iOS zum Download bereit. Er ist die einheitliche, geräteunabhängige und sichere Chat-Lösung für die deutschen Streitkräfte.

 

Sicher und plattformunabhängig

Der komplette Datenverkehr ist beim BwMessenger durch einen Algorithmus Ende-zu-Ende verschlüsselt. Die App wird on-premise, also auf eigener IT-Infrastruktur der Bundeswehr betrieben, womit die volle Datensouveränität besitzt. Im geschützten Rechenzentrum werden auch sämtliche Daten persistent und mit persönlichem Schlüssel des jeweiligen Nutzenden kryptiert gespeichert. Dass Daten nicht im nativen Speicher des Smartphones oder Tablets abgelegt werden, verhindert zum einen den Abfluss von Daten. Zum anderen können Anwender*innen so über verschiedene Endgeräte auf ihre Daten zugreifen. Neben Sicherheit setzt die neue Lösung der Bundeswehr auf Nutzerfreundlichkeit und Komfort. Oberfläche und Bedienung entsprechen modernen Messengern. Textnachrichten, Dokumente sowie Bild- und Videodateien können über Einzelchats sowie in öffentlichen und geschlossenen Gruppen geteilt werden. Umfragen und Abstimmungen ermöglichen Teams einfache, schnelle und gemeinsame Entscheidungen.

Einsatz von Open Source

Seit Dezember letzten Jahres entwickelt und erprobt die BWI den BwMessenger im Auftrag der Bundeswehr. Technische Basis ist der offenen Protokollstandard für Echtzeitkommunikation Matrix. Als Client kommt eine für die Bundeswehr angepasste, auf der Open-Source-Software „Element.io“ (vormals Riot.im) basierende App zum Einsatz. Die freie Lösung, die beispielsweise auch Grundlage für den französischen Behörden-Messenger „Tchap“ ist, bietet viele Vorteile gegenüber proprietären Systemen.
 

Abseits von Datensouveränität und Informationssicherheit kann die BWI die Lösung jederzeit agil gemäß den Vorgaben der Bundeswehr beziehungsweise dem Bedarf und Feedback von Nutzer*innen anpassen und erweitern. „User-centric“ lautet die Devise. Das heißt die Menschen, die mit dem BwMessenger täglich arbeiten, stehen im Zentrum der Entwicklung. Und es ist das erste Open-Source-Vorhaben von Bundeswehr und BWI in dieser Größenordnung. „Neben den Vorteilen, die uns die Lösung unter anderem in puncto Sicherheit, Skalierbarkeit und Entwicklung bietet, leistet sie einen Beitrag zur digitalen Souveränität der Bundeswehr“, sagt Martin Kaloudis, Chief Executive Officer der BWI.
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„Neben den Vorteilen, die uns die Lösung unter anderem in puncto Sicherheit, Skalierbarkeit und Entwicklung bietet, leistet sie auch einen Beitrag zur digitalen Souveränität der Bundeswehr.“

Martin Kaloudis, Chief Executive Officer BWI GmbH

Aus stashcat wird Matrix

Die ersten Bundeswehrangehörigen arbeiten schon seit Dezember 2019 im offenen Pilotbetrieb mit dem BwMessenger – also für den Austausch offener, dienstlicher Informationen. Um die Möglichkeiten der Kommunikation und Kollaboration während der Corona-Pandemie und in Zeiten vermehrt mobilen Arbeitens zu verbessern, hatten Bundeswehr und BWI den Pilotbetrieb im April auf bis zu 30.000 dienstlich gestellten Smartphones und Tablets erweitert. Jetzt können Bundeswehrangehörige die App auch für die dienstliche Kommunikation auf privaten Android- und iOS-Endgeräten genutzt werden. Damit löst er die auf stashcat basierende Applikation „BwChat“ zum Jahreswechsel ab.
 

Bereits vor knapp zwei Jahren hatte der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr in Zusammenarbeit mit dem Kommando Cyber- und Informationsraum (CIR) damit begonnen, den Einsatz solcher Dienste auf privaten Mobilgeräten anhand des proprietären Messengers stashcat zu erproben. In Folge von COVID-19 wurde dieser Pilot ebenfalls vorübergehend ausgeweitet – auf bis zu 50.000 Nutzer*innen. „Als schnell verfügbare, kommerzielle Kommunikationsplattform hat sich stashcat bewährt. Aber unser Ziel ist, eine einheitliche und vor allem sichere Lösung mit einem durchgängigen Bedienkonzept über alle Messenger-Varianten und Endgeräte hinweg zu bieten“, erklärt Bernward Müser, Referatsleiter CIT II 3 im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg). Darauf hatten sich BMVg, das Kommando CIR sowie das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr und die BWI verständigt.
 

„Unser Ziel ist, eine einheitliche und vor allem sichere Lösung mit einem durchgängigen Bedienkonzept über alle Messenger-Varianten und Endgeräte hinweg.“

Bernward Müser, Referatsleiter CIT II 3 Bundesministerium der Verteidigung

Sichere mobile Kommunikation

In der Bundeswehr besteht darüber hinaus auch ein höherer Schutzbedarf der auszutauschenden Informationen. Daher arbeitet die BWI zusammen mit Secusmart daran, mit dem BwMessenger auf dienstlichen Geräten auch Daten bis zur Verschlusssache „Nur für den Dienstgebrauch“ (VS-NfD) übertragen zu können. Für die notwendige Freigabe durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wurde die Chat-Applikation so angepasst, dass die Datenübertragung beispielsweise ausschließlich über verschlüsselte VPN-Tunnel erfolgt. Maßnahmen, die den Abfluss von Daten verhindern sollen. Ende November beginnt der VS-NfD-Pilotbetrieb in der Bundeswehr. In den kommenden Wochen wird die Lösung dann auch zur sicheren mobilen Kommunikation nutzbar sein. Weitere Funktionen sowie der Einsatz als Web-Applikation für PCs folgen.
 

50.000 Zugänge stehen seit November in der privaten Endgeräteumgebung bereit. Hinzu kommen 30.000 Nutzer für dienstliche Endgeräte. 20.000 weitere für die VS-NfD-Nutzung folgen. Ab 2021 wird die Zahl der Nutzer*innen schrittweise je nach Bedarf erhöht.
 

Mehr als ein Messenger

Knapp ein Jahr nach Beginn des Proof of Concepts ist der BwMessenger die bundeswehreinheitliche und sichere Messaging-Plattform, die Bundesministerin Annegret Kramp-Karrenbauer angekündigt hatte. „Entwicklungspotenzial und Anwendungsfälle reichen jedoch weit darüber hinaus“, sagt Dirk Klimpel, innoX Scouting & Advisory der BWI. Die Projektverantwortlichen von Bundeswehr und BWI sehen in Matrix einen Lösungsansatz, ein sicheres Kommunikationsprotokoll zu etablieren, das zukünftig beispielsweise auch im Bereich des Internet of Things, etwa bei der Übermittlung von Telemetriedaten genutzt werden könnte. Zudem soll die Chat-Lösung auch ressortübergreifend eingesetzt werden können, beispielsweise über standardisierte Schnittstellen zu anderen sicheren Messenger-Diensten der Bundesverwaltung.
 

 
Alles über den BwMessenger

Video-Tutorials, Kurzanleitungen zum Herunterladen und FAQ. Alle Informationen zum BwMessenger, wer ihn nutzen kann und wie er funktioniert: Der Messenger der Bundeswehr

 

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