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Software Factory

Software Defined Defence der Bundeswehr bekommt Unterstützung durch die BWI Software Factory

2 min
24. April 2026

Aktuell vergeht kein Tag, an dem die Nachrichten nicht von militärischen Auseinandersetzungen dominiert werden. Diese Konflikte haben direkte Auswirkungen auf Europa und auch auf Deutschland. Es wird immer deutlicher, dass der Fokus auf die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr absolute Notwendigkeit geworden ist.

In den Konflikten der letzten Jahre war zu beobachten, dass die rasanten technologischen Entwicklungen die Anforderungen an eine moderne Armee stark verändert haben. Vernetzung, Anpassungsfähigkeit und Tempo sind die entscheidenden Parameter geworden. Dadurch spielt IT eine immer größere Rolle, da die meisten Systeme immer mehr auf komplexe IT und Software setzen. Diese sogenannte Military IT erfordert immer größere Datenmengen, die so schnell wie möglich beherrscht und ausgewertet werden müssen. Damit ist Informationstechnik für die militärische Leistungsfähigkeit zum zentralen Faktor geworden.

Softwareentwicklung ist der Schlüssel zu mehr Tempo

Der Krieg in der Ukraine zeigt deutlich: Klassische Modernisierungsprozesse für militärische Hardware können den Anforderungen an das Veränderungstempo nicht mehr gerecht werden. Nur wer in der Lage ist, seine Effektoren schnell und wirkungsvoll an sich verändernde Rahmenbedingungen anzupassen, kann militärisch bestehen. Deshalb werden die benötigten Anpassungen, wo immer möglich, über Softwareupdates realisiert. Ohne diese kontinuierlichen Softwareupdates verlieren Systeme schnell an Wirkung. Software wird also zunehmend zum Schlüssel für eine schnelle und leistungsfähige Armee, weil sie die Fähigkeiten moderner Waffensysteme entscheidend mitbestimmt. Diese neue Entwicklung bezeichnet man als Software Defined Defence (SDD).

Bundeswehr setzt auf Software Defined Defence

Der Schlüssel für die Umsetzung des Paradigmenwechsels hin zu Software Defined Defence liegt in einer agilen Softwareentwicklung. Diese setzt eine offene und modulare IT-Architektur, interoperable Schnittstellen und einen Ansatz, bei dem Softwareentwicklung, Betrieb und Sicherheit über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg eng und kontinuierlich zusammenarbeiten (DevSecOps), voraus. Entsprechend passt auch die Bundeswehr ihr Vorgehen an die neuen Gegebenheiten an.

Die BWI, der primäre Digitalisierungspartner der Bundeswehr, unterstützt diese indem sie etwa große Teile des Basisnetzes sowie die private Cloud der Bundeswehr (pCloudBw) betreibt und für die Bundeswehr selbstentwickelte Softwareprodukte darin integriert. Sie baut gezielt Softwareentwicklungskompetenz auf, um sowohl selbstentwickelte als auch von der Industrie bezogene individuelle Softwareprodukte für die Streitkräfte schneller bereitzustellen und bestehende Module besser nutzbar zu machen. Diesem Ansatz liegt ein ganzheitliches Ökosystem aus Standards, Prozessen, Werkzeugen, Technologien und Menschen – eine sogenannte Software Factory – zugrunde. Für die BWI geht es darum, der Bundeswehr schnell resiliente, sichere und qualitativ hochwertige Softwareprodukte zur Verfügung stellen zu können. Der Fokus liegt auf Software Factory AI, also dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz innerhalb des Prozesses und der damit verbundenen Beschleunigung, Automatisierung, Standardisierung und Wiederverwendbarkeit.

Die BWI eigene Software Factory als IT-Plattform für den Bedarf der Bundeswehr

Die BWI bündelt ihre Softwareentwicklungsprozesse für die Bundeswehr innerhalb einer eigenen Software Factory. Auf dieser IT-Plattform arbeiten heute schon Entwicklungsteams der BWI gemeinsam mit Industriepartnern, je nach Bedarf aus über 50 verschiedenen IT-Unternehmen und im Rahmen eines Experiments auch aus der Bundeswehr. So kann sie für die Bundeswehr gezielt auf die Industrie mit ihren Skills wie beispielsweise UX-/UI-Design, Codierung, Testing, Coaching oder Systemadministration zurückgreifen.

Damit Standards, Methoden und Best Practices, auf deren Basis Anwendungen für die Bundeswehr entwickelt werden, miteinander kompatibel sind und alles gut ineinandergreift, wurde ein „Software Engineering Framework“ definiert, das die BWI gemeinsam mit dem Zentrum Digitalisierung der Bundeswehr (ZDigBw) veröffentlicht und kontinuierlich weiterentwickelt. So bilden die entstehenden Softwarekomponenten in einem selbstbeschleunigenden System die Basis für weitere Produkte und lassen sich wie Bausteine integrieren oder können nach dem Plug-and-Play-Prinzip für andere Systeme genutzt werden. Der einheitliche Prozess und Tools sorgen für mehr Tempo durch Wiederverwendung, Automatisierung und Mobilität der Entwickler zwischen den Projekten. Die BWI wird ihre gewonnenen Erfahrungen aus der eigenen Software Factory beim Aufbau einer Software Factory für die Bundeswehr einfließen lassen.

Software definiert einen Teil der Einsatzfähigkeit

Kein Softwareupdate wird aus einem veralteten Waffensystem plötzlich eine Wunderwaffe machen. Militärische Hardware muss gewisse Voraussetzungen erfüllen, um durch Softwareupdates schlagkräftiger werden zu können. Will die Bundeswehr in einem immer komplexer werdenden Umfeld bestehen, ist sie auf Agilität, digitale Souveränität und technologische Innovationskraft angewiesen. Die BWI stärkt mit ihren Softwareentwicklungsfähigkeiten die Führungs- und Einsatzfähigkeit der Streitkräfte und schafft mit ihnen gemeinsam die Grundlage für eine zukunftsfähige und softwaredefinierte Verteidigung. Denn Software ist längst zu einem bestimmenden strategischen Faktor bei militärischen Auseinandersetzungen geworden.

Florian Jost, Lead Software Engineer ©privat Florian Jost, Lead Software Engineer ©privat

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