Potraitfoto der ERP-Leiterin der BWI© BWI GmbH
ERP-Leiterin im Portrait

„SAP-Consultants finden in der Bundeswehr ein enormes Spektrum“

2 min
31. Juli 2026

Streitkräfte, Hochschulen, Krankenhäuser, Forschung, Schiffe, Logistik – die Bundeswehr ist in ihren Leistungen so breit gefächert, hat so viele prozessuale Fragestellungen, wie keine andere Organisation in Deutschland. Das macht den Job im Bereich SAP so interessant, findet Karola. Sie leitet den ERP-Bereich der BWI.

Der Großteil aller weltweit öffentlichen und privaten Organisationen setzt Software von SAP für ihr Enterprise Resource Planning (ERP) ein, also für die unternehmensweite Steuerung und Bündelung von Geschäftsprozessen in einer zentralen Lösung. Auch bei der Bundeswehr ist das so. Rund 90.000 Menschen arbeiten hier jeden Tag mit einem überwiegend auf Software von SAP basierenden ERP-System, in dem alle logistisch-administrativen Prozesse zusammenlaufen. Bevor zum Beispiel das Bundeskabinett Anfang des Jahres das Gesetz für den neuen Wehrdienst beschlossen hat, setzte ein kleines Team von BWI und Bundeswehr dazu einen Prozess in SAP auf, damit die 18-Jährigen zum Wehrdienst angeschrieben und die Rückantworten verarbeitet werden können.

Ein bunter Blumenstrauß an SAP-Prozessen

Auf dem Bildschirmhintergrund von Karola ist ein Urlaubsfoto von ihr und ihrer Familie auf Island zu sehen – ihr Lieblingsurlaubsort, weil die Menschen so freundlich sind und die Natur so vielseitig. Vielseitigkeit ist auch das, was sie an ihrer Arbeit so mag. „Das Spektrum an Prozessen in der Bundeswehr ist enorm, das macht ERP bei der BWI für SAP Consultants so interessant“, erklärt sie. „Wir arbeiten zwar alle daran, Geschäftsabläufe optimal aufzustellen und zu pflegen, die einzelnen Prozesse aber unterscheiden sich in der Bundeswehr sehr. Es ist etwas ganz anderes, ob ich eine Universität, einen Flugbetrieb, autarke Systeme wie Schiffe oder das Recruiting der Bundeswehr unterstütze.“ Es sei ein bunter Blumenstrauß, und das mache es so abwechslungsreich. „Egal ob Support oder Beratung, wir können jeden glücklich machen, weil hier jeder sein Lieblingsthema leben kann“, sagt Karola.

Sie weiß, wovon sie spricht. Sie leitet „die ERP“, also den Bereich der BWI, der die Bundeswehr dabei unterstützt, dass ihr SAP-System läuft, technisch modern und zukunftsfähig ist und alle damit arbeiten können. Angefangen hat alles bei IBM. Die studierte Betriebswirtin und ehemalige Unternehmensberaterin ist SAP-Consultant, als sie 2006 gefragt wird, ob sie am Aufbau eines neuen Unternehmens mitarbeiten möchte – der BWI, an der IBM damals zusammen mit Siemens und der Bundeswehr beteiligt ist. Ende desselben Jahres wird die BWI gegründet. In den folgenden zehn Jahren wird das Unternehmen das IT-Großprojekt HERKULES mit einem Volumen von über sieben Milliarden Euro umsetzen. Das wiederum besteht aus mehreren Teilprojekten, eines davon ist SASPF.

SAP-Großprojekt: Aufbauarbeit und Rollouts

Das Akronym steht für „Standard-Anwendungs-Software-Produkt-Familien“. Dahinter steht die Einführung eines zentralen SAP-Systems ergänzt um Spezialanwendungen und die Ablösung vieler IT-Insellösungen in der Bundeswehr. Zum Projekt gehören auch die Ausbildung von Nutzenden, der technische Betrieb sowie die Pflege und Weiterentwicklung des Systems. In den ersten zwei Jahren betreut Karola Business Intelligence und Rechnungswesen, die mit Personal und Logistik die vier SAP-Anwendungsbereiche in der Bundeswehr bilden. Ab 2009 besteht ihre Aufgabe darin, SAP in Streitkräften und Wehrverwaltung auszurollen. Noch im gleichen Jahr geht mit der 1. Panzerdivision der erste militärische Großverband mit SAP in den Einsatz. Die Einführung gilt als wegweisend für viele weitere Rollout-Vorhaben, die folgen werden.

SAP für die Bundeswehr: ganz nah am Kunden

Nach der Gesamtleitung für alle SASPF-Rollout-Vorhaben folgt wieder Aufbauarbeit. Karola leitet mit einem Kollegen die Vorbereitung des HERKULES-Folgeprojekts, bereitet also die Fortführung der BWI und ihrer Leistungen ab 2016 mit vor. Drei Jahre später übernimmt sie die Leitung des ERP-Bereichs der BWI und baut diesen weiter auf. Über 450 Mitarbeitende und mehr als 600 externe Consultants gehören heute zu ihrem Team. ERP zählt zu den Bereichen der BWI, die täglich ganz eng mit der Bundeswehr zusammenarbeiten. Rund 30 neue Projekte gibt es pro Jahr. Da kann dann auch schon mal der Arbeitsort vorübergehend in einem Flugzeughangar oder auf einem Schiff sein.

Für Karola ein weiterer Aspekt, der ihren Job so interessant macht: „Unsere Arbeit ist nicht abstrakt.“ Viele ihrer Mitarbeitenden, die meist Bundeswehr- oder Industriehintergrund haben, arbeiten nah am Kunden und schätzen genau das. „Auch wenn es manchmal anstrengender ist, wir bekommen direktes Feedback und sehen konkrete Ergebnisse.“ So wie am 21. Oktober 2014 beispielsweise, als auf der Holloman Air Force Base im US-Bundesstaat New Mexico der erste Tornado der Deutschen Luftwaffe mit SAP abhebt. Diese Art zu arbeiten prägt in ihrem Bereich eine Kultur der Vielfalt und Zusammenarbeit. „Da muss schnell in Lösungen gedacht werden. Das macht mir Spaß“, sagt die gebürtige Münsterländerin, die nah der niederländischen Grenze aufgewachsen ist und heute am Niederrhein lebt.

Echten Mehrwert als SAP-Consultant schaffen

Und es gibt noch einen dritten Faktor, weshalb Karola auch nach 20 Jahren ihren Job immer noch gerne macht: „Wir haben in der BWI den Luxus, niemandes Profit maximieren zu müssen. Wir müssen keinen Aufträgen hinterherrennen, abends keine Angebote schreiben. Wir können unsere gesamte Kraft darauf verwenden, die beste Lösung für unsere Kunden zu gestalten, echten Mehrwert zu schaffen. Gleichzeitig dienen wir mit unserem Job bei der BWI dem höheren Zweck, unser Land verteidigungsfähig zu machen. Das macht mich stolz, das ist für mich sinnstiftend und deshalb arbeite ich gerne hier.“

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