Zwei Tender der Marine vor AnkerTender der Marine
Meilenstein in der Digitalisierung

Bundeswehr arbeitet jetzt mit S/4HANA

2 min
24. Juni 2026

Nachdem die BWI im Mai das Zentralsystem umgestellt hat, waren 22 Schiffe der Marine die letzten dezentralen Systeme der Bundeswehr die auf S/4HANA migriert wurden, der neuen Generation der Enterprise-Resource-Planning-Plattform (ERP) von SAP. Bundeswehr und BWI haben damit einen echten Meilenstein im Großprojekt „Retrofit SASPF“ erreicht – und einen spürbaren Fortschritt in der Digitalisierung.

Aufgabe des Vorhabens ist es, das ERP-Inlandssystem samt der dezentralen Systeme, wie aktuell seegehende Einheiten der Marine, auf die neue Generation der SAP-Software S/4HANA umzustellen. Seit 23. Juni sind alle System live – ein großer Erfolg für das Projekt. Die BWI hat zusammen mit der Bundeswehr eine der komplexesten ERP-Landschaften im öffentlichen Sektor auf technologisch moderne Beine gestellt.

Nicht ohne mein SASPF

Die Bundeswehr steuert das Gros ihrer logistisch-administrativen Prozesse über das überwiegend auf SAP basierende ERP-System. Dazu gehören beispielsweise die Zahlung von Gehältern an ihre über 260.000 Angehörigen, die Wartung und Instandsetzung von Waffensystemen oder die Beschaffung von Material. Dabei muss das System immer größere Datenmengen verarbeiten, immer kürzere Entscheidungszyklen abbilden und immer schneller an neue Anforderungen angepasst werden können.

Deshalb haben Bundeswehr und BWI es auf S/4HANA umgestellt. Die neueste KI-gestützte ERP-Software von SAP ermöglicht Echtzeitverarbeitung, ein vereinfachtes Datenmodell und eine flexiblere Prozessgestaltung. Zudem können externe Datenquellen einfacher integriert werden, etwa Sensordaten von Fahrzeugen. Dadurch entstehen künftig neue Möglichkeiten für datenbasierte Prognosen und optimierte logistische Prozesse – Stichwort Predictive Maintenance, also die Vorhersage des Wartungsbedarfs mittels künstlicher Intelligenz (KI) und dem Internet of Things (IoT).

20.000 Mal an den Code

SASPF ist für die Bundeswehr also essenziell. Rund 90.000 Menschen arbeiten täglich damit. Entsprechend anspruchsvoll war die Transformation. Das Projekt musste eine stark vernetzte Systemlandschaft mit vielen Abhängigkeiten, Schnittstellen, individuellen Entwicklungen und Spezialanforderungen unter engen zeitlichen Vorgaben technisch auf eine neue Plattform überführen und gleichzeitig den Betrieb stabil halten. In Zahlen: unter anderem über 1.000 Testende, mehr als 150 Schnittstellen und etwa 20.000 Custom-Code-Befunde, das heißt, selbst erstellter Programmcode, der manuell angepasst werden musste.

Eine besondere Herausforderung war die Migration der dezentralen Systeme, also der 22 Marineschiffe. Die arbeiten nämlich teilweise autark. Auf hoher See zum Beispiel sind sie nur zeitweise mit dem zentralen System verbunden. Sie konnten deshalb nicht einfach übernommen werden, sondern mussten technisch neu auf der S/4HANA-Plattform aufgebaut werden. Wichtig war dabei, dass die Daten zwischen zentralem und dezentralen Systemen konsistent bleiben – auch wenn diese zeitweise nicht miteinander verbunden waren. Um die Ausfallzeiten für die Schiffe so gering wie möglich zu halten, hat die BWI die neuen Systeme vorab vorbereitet.

Konzentration und Ausdauer

Der Weg zum Go-live war für das Team geprägt von intensiver Vorbereitung und hoher Taktung. Nach der Generalprobe Ende April ging das Projekt ohne Unterbrechung in die Migration über. Während der Ausfallzeit hat das Projektteam über mehrere Tage im 24-Stunden-Schichtbetrieb gearbeitet, um die Umstellung sauber abzuschließen. Die Phase hat allen Beteiligten ein hohes Maß an Konzentration, Ausdauer und Verlässlichkeit abverlangt. Der zentrale Erfolgsfaktor des Projekts ist die enge Zusammenarbeit über alle beteiligten Bereiche hinweg: mit dem Auftraggeber, der Abteilung G im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, dem Hersteller und natürlich mit vielen Tausend Nutzenden. Gerade in den kritischen Phasen hat sich für die Projektverantwortlichen gezeigt, dass komplexe Transformationen nur dann gelingen, wenn technische, fachliche und organisatorische Themen gemeinsam gesteuert werden.

Meilenstein für Digitalisierung

Mit der Einführung von S/4HANA verfügt die Bundeswehr über eine leistungsfähige Plattform für ihre Geschäftsprozesse. Im Zusammenspiel mit der „private Cloud der Bundeswehr“ (pCloudBw) werden zusätzliche Möglichkeiten für den Einsatz moderner Technologien wie KI, Advanced Analytics, IoT und Machine Learning entstehen. Für die Bundeswehr ist das ein klarer Mehrwert. Logistisch-administrative Abläufe lassen sich effizienter gestalten, Daten konsistenter nutzen und neue Anforderungen schneller umsetzen, auch in der Zukunft.

Mit dem erfolgreichen Go-live ist ein wesentlicher Meilenstein erreicht. Nun steht bis zum Projektabschluss Ende des Jahres die Stabilisierung des Betriebs im Vordergrund – und damit die letzte Phase eines Projekts, das gezeigt hat, wie viel mit guter Vorbereitung, klarer Verantwortung und echter Teamarbeit möglich ist.

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