Drei Bundeswehrsoldaten bereiten eine Drohne vor
Software Defined Defense

Modular Open Systems Approach: Die Zukunft für IT- und Waffensysteme der Bundeswehr

2 min
11. September 2026

Die Bundeswehr will ihre Rüstungsvorhaben künftig strategisch neu ausrichten. Vorbild ist der „Modular Open System Approach (MOSA)“, der in den USA für alle Beschaffungsvorhaben anzuwenden ist. Hard- und Softwarekomponenten sollen mit MOSABw künftig wie im Baukastenprinzip herstellerunabhängig austauschbar sein.

In Deutschland und Europa werden Rüstungsprojekte bislang in der Regel als proprietäre, in sich geschlossene Gesamtlösungen, oft durch einen einzelnen Lieferanten, realisiert. Das führt mitunter zu dauerhaften Abhängigkeiten sowie uneinheitlichen Standards und erschwert den Austausch bzw. das Nachrüsten einzelner Komponenten. An diesen Problemen setzt MOSA an.

Ein modulares, systemoffenes Baukastenprinzip

MOSA lässt sich auf Deutsch als „modularer offener Systemansatz“ übersetzen. Dahinter verbirgt sich ein technologie-übergreifendes Baukastenprinzip, bei dem die einzelnen Bausteine und Softwareelemente wie Legosteine zusammenpassen – unabhängig davon, von welchem Hersteller sie stammen. Militärische Plattformen und Systeme der Bundeswehr sollen daher künftig nicht länger als starre, in sich geschlossene Monolithen beschafft werden. Stattdessen werden die einzelnen Komponenten in klar voneinander abgegrenzte Bausteine aufgeteilt und über standardisierte, offene Schnittstellen flexibel miteinander verbunden.

Der Vorteil des Ansatzes: Einzelne Bausteine können völlig unabhängig voneinander weiterentwickelt, modernisiert oder ausgetauscht werden. Steht beispielsweise eine neue Sensortechnologie zur Verfügung, muss nicht mehr die gesamte Plattform in jahrelangen Projekten ertüchtigt werden. Es wird lediglich das alte Sensormodul gegen ein neues getauscht – Plug-and-Play für die Verteidigung.

Erklärgrafik zu MOSABw Kernelemente von MOSABw (Quelle BWI)

Damit dieses Zusammenspiel reibungslos funktioniert, müssen im Vorfeld verbindliche Regeln definiert werden. Dazu gehören nicht nur technische Standards für Schnittstellen, sondern auch ein völlig neuer Umgang mit Schutzrechten und Softwarelizenzen. Um eine dauerhafte Abhängigkeit von einzelnen Herstellern zu verhindern, soll die Bundeswehr künftig die Hoheit über die Schnittstellen besitzen.

MOSA soll zum Standard für die Bundeswehr werden

Die Strategie hinter MOSABw folgt dem Vorbild des namensgebenden MOSA-Systemansatz, der in den USA seit 2021 gesetzlich vorgeschrieben, und auf alle Beschaffungsvorhaben anzuwenden ist. Im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr hat nun eine „Ansprechstelle MOSABw“ als Keimzelle für die „Zentralstelle MOSABw“ ihre Arbeit aufgenommen. Ziel ist die nationale Adaption des MOSA-Konzepts für die Bundeswehr und damit eine verbindliche Richtlinie für alle zukünftigen Rüstungs- und Digitalisierungsvorhaben. Für die deutschen Streitkräfte ist dieser Schritt wichtig, um digitale und industrielle Schlüsseltechnologien selbstbestimmt entwickeln, nutzen und kontrollieren zu können und damit der entscheidende Hebel auf dem Weg zu echter technologischer Souveränität. 

MOSA als Fundament für Software Defined Defense

Darüber hinaus bildet MOSA mit dem Ansatz, Modularität und offene Schnittstellen bereits in der Beschaffung zu berücksichtigen, das Fundament für Software Defined Defence (SDD), einem Paradigmenwechsel in der Verteidigungstechnologie: Fähigkeiten und Durchsetzungsfähigkeit moderner Streitkräfte werden künftig zunehmend durch Software und die intelligente Nutzung von Daten bestimmt, nicht mehr durch die Hardware allein. Mit dem Aufbau der privaten Cloud der Bundeswehr (pCloudBw) und dem Software Factory Service hat die BWI bereits wichtige Bausteine für das SDD-Ökosystemgeliefert. Hierbei werden Software-Komponenten standardisiert entwickelt, geprüft und sicher für verschiedene Plattformen bereitgestellt.

Die anstehende Konzeption von MOSABw bietet nun die historische Chance, diese offenen und modularen Strukturen fest im gesamten Rüstungsbereich zu verankern und die Bundeswehr für die digitale Zukunft aufzustellen. Als ihr primärer Digitalisierungspartner wird die BWI die Bundeswehr künftig nicht nur im Kontext von SDD, sondern auch bei MOSA unterstützen – damit sich die Truppe künftig schneller an aktuelle militärische Erfordernisse anpassen kann und so ihre Einsatzfähigkeit erhöht.

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