Porträtbild Cloud-Experte Peter© BWI GmbH
Private Cloud für die Bundeswehr

Was macht eigentlich ein Cloud-Experte?

3 min
6. August 2026

Zwischen neuer Cloud-Technologie, digitaler Souveränität und komplexen Kundenanforderungen: Peter arbeitet in einem der wegweisendsten Projekte der BWI – dem Aufbau der „private Cloud der Bundeswehr“ (pCloudBw). Im Interview gibt er Einblicke in seinen Arbeitsalltag zwischen Projektsteuerung und technologischer Innovation.

Wie wichtig ist das Thema Cloud bei der BWI?

 

Die Technologie ist strategisch für uns enorm wichtig, denn über eine Cloud lassen sich Anwendungen, Plattformen und Infrastrukturen als skalierbare Services schneller, flexibler und effizienter zur Verfügung stellen. Deshalb ist das unser künftiges Modell, wie wir der Bundeswehr unsere IT-Services bereitstellen und zwar durchgängig, im Inland genauso wie in Einsatzgebieten. Für die Bundeswehr bedeutet das vor allem eine Vereinfachung, denn sie lagert damit Komplexität an uns aus. Wir kümmern uns um Plattformen, Infrastrukturen und Anwendungen und unser Kunde bekommt fertige, einfach skalierbare Services. Darum geht es im Kern von Cloud-Computing ja.

Wie wird die Bundeswehr-Cloud aufgebaut sein?

Wir bauen für die Bundeswehr eine eigene, also private Cloud auf – und zwar von Grund auf. Die Bundeswehr hat vor allem in Sachen Sicherheit und Datenschutz besondere Anforderungen und kann nicht einfach Cloud-Lösungen am Markt einkaufen. Wir betrachten also den gesamten Aufbau der pCloudBw, von der Infrastruktur über Plattformen bis hin zu den Applikationen. Die Cloud, die wir aufbauen, ist eine Multicloud, sie basiert also auf mehreren, konkret drei, technologisch getrennten Stacks. Wir setzen dabei Lösungen von unseren Industriepartnern VMware und Google Cloud sowie Open Source Software ein. Wir möchten so unserem Kunden nicht nur je nach operativem Anwendungsfall die sicherste und wirtschaftlichste Lösung anbieten. Wir möchten mit diesem Ansatz unter anderem auch Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern verringern und die Interoperabilität zu strategischen Partnern wie der NATO gewährleisten.

Was sind deine Aufgaben als Cloud-Experte?

Ich bin seit 2023 bei der BWI und leite das Projekt „Google Distributed Cloud air-gapped“, den zweiten Technologie-Stack der pCloudBw. Dieser Teil der Lösung wird zukünftig unter anderem die Cloud-Plattform für das SAP-System der Bundeswehr bilden. Ich bin dafür da, den Überblick über das „große Ganze“ zu behalten. Auf der einen Seite stehen die Kundenanforderungen, auf der anderen Seite die Abstimmung mit dem Hersteller – die beiden Seiten führe ich zusammen. Dazwischen ist das Projektteam, das die Anforderungen umsetzen muss. Als First Person of Contact bringe ich die richtigen Personen zusammen, priorisiere Themen und sorge dafür, dass mein Team alles hat, was es zur Umsetzung des Projekts innerhalb der pCloudBw braucht.

Was ist „Google Distributed Cloud air-gapped”?

„Google Distributed Cloud air-gapped“ ist Teil der Multicloud-Plattform der Bundeswehr. Wir setzen eine Google-Lösung als Technologieanteil der pCloudBw ein, da die Bundeswehr ihre logistisch-administrativen Prozesse im Wesentlichen mit SAP abbildet. Cloud-basiert ist das nur auf Basis der Technologie von Google möglich, eine Herstellervorgabe von SAP. Air-gapped meint, dass das System physisch nach außen vollständig isoliert ist. Das bedeutet, dass da eben niemand mehr von außen herankommt, auch nicht Google als Hersteller selbst. Wir betreiben das System mit eigenem Personal, das wir vorher entsprechend schulen. Für den Betrieb in unseren eigenen Rechenzentren haben wir entsprechende Kapazitäten aufgebaut. Derzeit arbeiten wir an der Akkreditierung der Lösung, damit auch eingestufte Daten der Bundeswehr verarbeitet werden können. Alles dreht sich darum, die Daten der Bundeswehr zu 100 Prozent sicher in der Cloud verfügbar zu machen.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Gerade im Cloud-Projekt müssen wir neue Lösungsansätze finden und Dinge weiter entwickeln, denn es gibt keine bestehende IT-Infrastruktur, auf der wir einfach aufsetzen können. Der Gestaltungsfreiraum ist enorm. Das erfordert allerdings auch ein Umdenken bei der Arbeit und die Bereitschaft, veraltete Prozesse aufzubrechen und neu zu gestalten. Wir bekommen vorgegebene Leitplanken von unserem Kunden Bundeswehr, in denen wir uns bewegen müssen. Aber wie wir uns als Projektteam organisieren, entscheiden wir selbst: Die Art der Zusammenarbeit, die Gestaltung von Workshops oder Meetings sowie dem Standort, von dem wir arbeiten – hier haben wir einen hohen Freiheitsgrad innerhalb des Projekts. Was die BWI sicherlich von vergleichbaren Unternehmen unterscheidet, sind die erhöhten Sicherheitsrichtlinien, die eingehalten werden müssen. Die Daten der Bundeswehr sind sensibel und entsprechend müssen die Systeme, die sie verarbeiten, besonders geschützt werden.

Welche Skills braucht ein Cloud-Experte?

Viele der Herausforderungen, die wir heute lösen, gab es gestern noch gar nicht. Das macht die Arbeit für mich unglaublich abwechslungsreich, erfordert aber gleichzeitig auch die Bereitschaft, selbst aktiv zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Nicht jeder bringt von Anfang an alle fachlichen Kenntnisse mit, aber im Team haben alle die intrinsische Motivation, sich weiterzubilden, wenn Wissen fehlt. Es ist sicherlich von Vorteil, wenn Bewerber*innen schon einmal etwas von Cloud-Architektur, Open Source Software, cloud-nativen Umgebungen oder DevSecOps gehört haben. Wir unterstützen uns aber gegenseitig, teilen Wissen und lernen kontinuierlich voneinander. Dieses Miteinander ist für mich einer der Gründe, warum ich mich bei der BWI so wohlfühle.

Letzte Frage: Wie geht es mit dem Thema Cloud weiter?

Wir verfolgen mit der Bundeswehr weiter einen Multicloud-Ansatz und konzentrieren uns vermehrt auf Open-Source-Lösungen. Mit der Open Defense Cloud bauen wir eine flexible IT-Plattform für die Bundeswehr auf, die Open-Source-Technologien nutzt, um maximale Sicherheit und Souveränität im Sinne von Handlungsfreiheit zu garantieren. Wir setzen dabei ganz bewusst auf offene Lösungen und arbeiten eng mit Industriepartnern und der cloud-nativen Community zusammen. Unser Ziel ist es, technische, wirtschaftliche und geopolitische Abhängigkeiten zu verringern, um die digitale Souveränität der Bundeswehr zu stärken und damit auch einen Beitrag zur Souveränität Deutschlands und Europas zu leisten.

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