Fachveranstaltung von AFCEA und BWI: IT-Modernisierung und Digitalisierung haben Priorität

Welche Entwicklungen gibt es in Sachen Digitalisierung der Bundeswehr und IT-Konsolidierung des Bundes? Diese Frage stand am 3. Juli im Mittelpunkt einer eintägigen Konferenz, zu der AFCEA Bonn e. V. und BWI in die Luftwaffenkaserne Köln-Wahn eingeladen hatten. Unter dem Motto „Digitale Kompetenz und Konvergenz bei Bundeswehr und Bund“ gaben Vertreter von BWI, Bund, Bundeswehr und Industrie den rund 220 Gästen Einblicke in den aktuellen Stand. Das Fazit: IT-Modernisierung und Digitalisierung haben hohe Priorität.

Eines der aktuellen Leuchtturmprojekte des Verteidigungsministeriums, das durch die BWI realisiert wird, ist die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung der Bundeswehr. Vertreter von BWI, Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und dem Kommando Sanitätsdienst stellten das Programm vor. Ziel des Vorhabens: bisher anzutreffende Einzellösungen im Sanitätsdienst abzulösen und eine ganzheitliche Enterprise-Architektur zu etablieren. Vor allem gelte es, die bisher noch vielfach analogen und manuellen Abläufe durch eine komplette digitale Vernetzung des Gesundheitswesens zu ersetzen, sagte Oberst i.G. Reiner Seitz, der im BAAINBw die Task Force zur IT-Unterstützung der Gesundheitsversorgung leitet. Die BWI bringt ihre Architektur- und Management-Expertise sowie Fachpersonal in das Programm ein. „Künftig möchte sich der Inspekteur des Sanitätsdienstes, Generaloberstabsarzt Dr. Ulrich Baumgärtner, verstärkt auf die Kernaufgaben des Sanitätsdienstes konzentrieren und strebt die IT-Serviceerbringung für die Gesundheitsversorgung der Bundeswehr durch die BWI an. Bis dahin ist aber noch ein langer Weg“, so BWI-Programmleiter Dr. Michael Trampert.

„Wir wollen eine tolle IT für Deutschland!“

Frank Leidenberger, Chief Strategy Officer der BWI, ging bei der Veranstaltung auf die Rolle des Unternehmens bei der IT-Konsolidierung (IT-K) des Bundes ein. Zu den Herausforderungen zählten die besonderen Sicherheitsanforderungen an eine Plattform für die IT-K, bedingt durch den Austausch mit dem Bürger. Ein Hindernis sei, dass es nach wie vor keine Governance-Struktur gebe, sondern vielmehr ein Ressortprinzip. „Aus unserer Sicht müsste es aber für die IT-K Bund eine Art HERKULES-light geben“, so Leidenberger. „Also einen Vertrag für die IT-Konsolidierung unter Einbeziehung von Industriepartnern. Keine Einzelverträge mit Ressorts.“ Hier könne die BWI ihre Erfahrungen aus dem HERKULES-Projekt einbringen. Umgekehrt würde die Bundeswehr von den neuen Erkenntnissen bei der IT-K profitieren, so Leidenberger. Zu den Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung gehöre auch, dass Verträge über eine Reichweite von drei bis fünf Jahren geschlossen werden sollten, um die Kontinuität von Vorhaben nicht zu gefährden. „Wir wollen eine tolle IT für Deutschland haben! Und sie wird kommen, weil sie notwendig ist.“

„Die BWI muss mutiger werden.“

Martin Kaloudis, Chief Executive Officer der BWI, positionierte die BWI klar als Digitalisierungspartner der Bundeswehr und skizzierte drei Handlungsfelder, die für den IT-Dienstleister in diesem Zusammenhang bedeutsam seien: Consulting, Digitale Programme und Innovationen. Ziel sei es, marktgerechte Innovationen in die Bundeswehr zu bringen. Dazu seien in Zukunft Systeme erforderlich, die nicht nur stabil sind, sondern auch der digitalen Transformation standhalten. „Ein wesentlicher Erfolgsfaktor dabei ist, dass die BWI mutiger wird.“ Schließlich könne man es sich in der IT mit Blick auf die notwendige Transformation erlauben, auch einmal mit einer 80-Prozent-Lösung zu arbeiten und etwas auszuprobieren.

In einer Podiumsdiskussion mit den BWI-Geschäftsführern blickte der Kommandeur des Kommandos Informationstechnik der Bundeswehr (KdoITBw), Generalmajor Dr. Michael Färber, auf die Pläne zur Digitalisierung der deutschen Streitkräfte. Voraussetzung dafür, die Digitalisierung voranzubringen, sei eine gute Plattform. Wichtig sei auch, neben dem „Spielbein“ Digitalisierung das „Standbein“ Modernisierung nicht außer Acht zu lassen: „Wir müssen die IT-Modernisierung nach marktgängigen Standards vorantreiben“, sagte Färber. Langfristiges Ziel sei es, in der Bundeswehr ein einziges IT-System zu etablieren.

Operativer Blick auf IT-K

Julian Klein und Marco Metzlaff stellten Erfahrungen und Herausforderungen bei der IT-Konsolidierung des Bundes vor. Marco Metzlaff, Leiter Consulting bei der BWI, präsentierte dabei das neue Krisenvorsorgeinformationssystem Bund (KVInfoSysBund), an dessen Neuentwicklung die BWI beteiligt ist. Um deutschen Staatsangehörigen im Ausland künftig besser helfen zu können, beinhaltet das mobil nutzbare und jederzeit verfügbare System einen gemeinsamen ressortübergreifenden Informationsraum und ermöglicht die Anbindung deutscher Auslandsvertretungen. Julian Klein, Leiter der Service Unit Workplace bei der BWI, ging auf Erfahrungen mit dem angestrebten Bundesclient ein. Mit dem Bundesclient soll ein System entwickelt werden, dass neben mehr Sicherheit wirtschaftlich, innovationsfähig und zukunftssicher ist.

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