Suchmaschine der Logistik – BWI entwickelt neues Material-informationssystem für die Bundeswehr

© Michael Mandt/Bundeswehr

Bundeswehr

Panzer, Patrouillenfahrzeuge, Brückenlegesysteme, Transporthubschrauber, Aufklärungsdrohen, Flugabwehrsysteme, Kampfflugzeuge, U-Boote, Fregatten... Um ihren Auftrag erfüllen zu können, benötigt die Bundeswehr spezielle Ausrüstung. Die deutschen Streitkräfte verfügen über 70 Hauptwaffensysteme und mehr als sechs Millionen einzelne Versorgungsartikel. Das Nutzungsmanagement, also die Bewirtschaftung und der Erhalt des Wehrmaterials ist eine der Aufgaben des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw).

Bislang griffen die dortigen Bearbeiter*innen entweder direkt auf die auf SAP basierenden ERP-Plattform (Enterprise Resource Planning) der Bundeswehr oder auf das „Gerätebearbeiter Informationssystem“, kurz GEBIS, zurück, um entsprechende Informationen zu einem Waffensystem zu erhalten. GEBIS ist eines der bestehenden, künftig jedoch abzulösenden Fachverfahren der Bundeswehr. Es integriert viele verteilte logistische Datenbanken. Durch die immer weiter voranschreitende Ablösung dieser sogenannten „Systeme in Nutzung“ (SinN) durch SAP und den damit verbundenen prozessualen Neuerungen genügt GEBIS sowohl fachlich als auch technisch nicht mehr den Anforderungen der Streitkräfte.

 

Informationen auf einen Blick

Seit September ist die erste von insgesamt vier Applikationen „Materialinformation“ der Nachfolgelösung im Einsatz. Sie bezieht sämtliche logistischen Informationen zu Materialien der Bundeswehr aus deren SAP-System „SASPF“ (Standard-Anwendungs-Software-Produkt-Familien) und bündelt sie in einer Gesamtsicht. Dabei bietet sie neben einer modernen und einfach zu bedienenden Benutzeroberfläche alle Features heutiger Suchmaschinen, wie Crawler, Index, Volltextsuche sowie die Möglichkeiten, Inhalte zu filtern und nach verschiedenen Kriterien zu sortieren.

„Jeder Gerätebearbeiter hat damit auf einen Blick sämtliche Informationen zu Waffensystemen in seiner Verantwortung, wie beispielsweise bestellte Materialien oder Instandsetzungsaufträge, und kann diese über Filter individualisieren“, erklärt Peter Eberlein, Projektleiter bei der BWI. Der Mehrwert: Das geschieht in hoher Geschwindigkeit und ohne mehrere SAP-Transaktionen nacheinander aufrufen zu müssen. So werden allein für Informationen zu einem Material mehrere Hundert Millionen Datensätze durchsucht und berechnet. Wo erforderlich, erlaubt die Anwendung berechtigten Benutzern außerdem „Absprünge“ aus dem analytischen in den transaktionalen Teil von SASPF. Somit können gewonnene Erkenntnisse ohne fehleranfällige manuelle Systemwechsel unmittelbar in konkrete Handlungen umgesetzt werden. „Das gab es so vorher nicht. Unser Kunde vergleicht es mit großen bekannten Suchmaschinen“, sagt Peter Eberlein. Mehr Lob für das Entwicklerteam gehe nicht.

Bis Herbst 2021 wird die BWI, IT-Systemhaus und Digitalisierungspartner der Bundeswehr, drei weitere Anteile entwickeln, zum Beispiel eine Stördatenanalyse. Sie erlaubt es, auf Basis aktueller und historischer Daten verschiedene Szenarien wie etwa Materialausfälle oder Wartungen für ein Waffensystem darzustellen. Das wiederum erleichtert eine Bedarfsanalyse. Darüber hinaus wird es künftig auch ein Obsoleszenz-Management geben, das über die Nichtverfügbarkeit von Material Auskunft gibt.

 

Von Beginn an mit dem Kunden

Ein Team von knapp zehn Entwicklern der BWI und externen Dienstleistern hat die neue Lösung mit der Bundeswehr realisiert. „Unser Auftraggeber hat uns freie Hand gegeben. Wir konnten eine völlig neue Applikation entwickeln“, so Eberlein. Die einzigen Vorgaben waren, Standards des SAP Customer Center of Expertise (CCoE) der Bundeswehr anzuwenden sowie Entwicklungsrichtlinien und Vorgaben der zuständigen Bereiche zu berücksichtigen. Die Applikation entstand von Beginn an agil, also in mehreren kurzen Entwicklungszyklen, in denen die fachlichen Anforderungen der Kunden in enger Abstimmung mit der Projektleitung im BAAINBw umgesetzt wurden.

Die BWI arbeitet im Projekt „IT-Unterstützung Logistischer Informationsbedarf Waffensysteme“ (IT-U LogInfoBed WaSys) neben dem BAAINBw, insbesondere der Abteilung G 4.6, mit allen Teilstreitkräften und Organisationsbereichen der Bundeswehr zusammen. 2016 startete das Vorhaben mit der Analysephase, im Herbst des kommenden Jahres soll das Projekt abgeschlossen sein.

 

SASPF: das Fundament

Technische Basis für die Entwicklung ist das SAP Business Warehouse der Bundeswehr auf einer HANA-InMemory-Datenbank. Als Frontendtechnologie wird die neue Benutzeroberfläche SAP UI5 verwendet. Sie ersetzt das User Interface von SAP durch eine moderne, einfache Anwenderoberfläche. Dabei ist das neue Informationssystem für Waffensysteme nicht nur intuitiv zu bedienen, es ist auch vollständig adaptiv und responsiv, kann also geräteunabhängig bis hin zum dienstlichen Smartphone von unterwegs genutzt werden. Sämtliche Informationen wie Tipps, Hilfen und Leitfäden stellt das BWI-Projektteam online im Wiki der Bundeswehr bereit.

Datenbasis der neuen Informationslösung für Waffensysteme ist SASPF. Mit der auf SAP basierenden ERP-Plattform „Bw/4HANA“ und weiterer Systeme unterstützt die Bundeswehr viele ihrer logistischen und administrativen Prozesse, etwa im Rechnungswesen, der Beschaffung, Logistik, Instandsetzung oder Personalwirtschaft. Über 60.000 Nutzer*innen arbeiten heute mit diesem System. Betrieben wird SASPF, eine der größten SAP-Installationen Europas, von der BWI.
 

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