Programmplan „TEN“: Weg zur digitalen Integration deutscher und niederländischer Streitkräfte

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Im Juni letzten Jahres haben sich die deutsche und die niederländische Verteidigungsministerin mit Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding (MoU) darauf geeinigt, ihre an landbasierten Operationen beteiligten Streitkräfte miteinander zu vernetzen und die weitere Entwicklung ihrer Einsatz-IT gemeinsam zu gestalten. Ziel des Programms TEN ist es, die binationalen Anteile der beiden 2018 gestarteten Digitalisierungsprogramme „Digitalisierung landbasierter Operationen, D-LBO“ (Deutschland) und „FOXTROT“ (Niederlande) zu verbinden.

 

Weitreichende digitale Integration

Im militärischen Einsatz sind Informationen unerlässlich. Dabei müssen sie nicht nur bis auf die unterste taktische Ebene verfügbar sein, es muss auch möglich sein, Informationen sicher und bruchfrei zu teilen. Kompatibilität und Interoperabilität von IT-Systemen sind also entscheidend, um vernetzte Gefechtsführung sowohl auf nationaler als auch auf Bündnisebene zu ermöglichen. Mit TEN werden Deutschland und die Niederlande ihre landbasierten Streitkräfte in hohem Maße digital integrieren, um die gemeinsame Operationsführung im Einsatz zu verbessern. „Nie zuvor haben sich zwei Streitkräfte zu einer so weitreichenden digitalen Integration verpflichtet“, so Oberst i.G. Heiko Mühlmann, stellvertretender deutscher Vorsitzender des TEN-Lenkungsausschusses. In TEN werde man alle Aktivitäten darauf ausrichten, dass militärisches Personal vor Ort seine Arbeit effektiver und sicherer ausführen kann, auch in multinationalen Missionen.

Mit Unterzeichnung des Programmplans am 5. August haben die beiden Vertreter des TEN-Lenkungsausschusses, Brigadier General Wilfred Rietdijk und Oberst i.G. Heiko Mühlmann, den Weg für die gemeinsame Zusammenarbeit und Umsetzung des Programms in den kommenden Jahren festgelegt. Im Rahmen von TEN wird ein gemeinsames virtuelles militärisches IT-System entwickelt, das Anwendungen und Kommunikation auch mobil permanent möglich macht und Schutz vor Cyber- und elektromagnetischen Bedrohungen bietet. „Mit unseren Unterschriften auf dem TEN-Programmplan liegt der Weg zur Operationalisierung und Ausrüstung der vorgesehenen ersten Streitkräfte – der 9. bewaffneten Brigade und einer Einheit in der Größe eines niederländischen Bataillons – in den Jahren 2023 bis 2024 vor uns“, so Brigadier General Wilfred Rietdijk, niederländischer Vorsitzender des TEN-Lenkungsausschusses.
 

 

Bindeglied zwischen beiden Nationen

Als binationales Programm ist TEN darauf angewiesen, dass beide Länder ihre Expertise und Ressourcen bestmöglich einbringen können. Den Rahmen für das gemeinsame Vorgehen bildet der Programmplan: von der Vision über die gemeinsame Wertschöpfung bis zur Zusammenarbeit zwischen den Organisationselementen im Programm TEN – dem Combined Programme Office (CPO) in Lahnstein, dem Design and Prototype Centre (DPC) in Amersfoort, dem Operational Test and Validation Centre (OTVC) in Munster – sowie den nationalen Organisationseinheiten. „Der Programmplan ist also das Bindeglied zwischen den beiden Nationen“, erklärt Christopher Gaube, aus dem TEN-Programm-Management bei der BWI.
 

 

BWI unterstützt TEN

Die BWI stellt für TEN unter anderem große Teile des CPO, also das Programm-Office, unter Leitung des Chief of Staff TEN. Zudem unterstützt sie das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) dabei, das Betriebskonzept für den ersten digitalisierten Gefechtsverband zu erstellen und die nationale Einrüststrategie zu konzeptionieren. Auch bei der Erarbeitung des Programmplans hat das IT-Systemhaus unterstützt. „Wir haben etliche Workshops organisiert und durchgeführt, um die vielen Stakeholder von den Verteidigungsministerien bis zu nachgeordneten Kommandos, Dienststellen und Behörden beider Länder an die Tische zu holen und ein gemeinsames Vorgehen zu erarbeiten“, führt Christopher Gaube aus.

Zudem hat die BWI einen binational ausgerichteten Ansatz für die Wertschöpfungskette von TEN mitkonzipiert, die von der Entwicklung gemeinsamer Standards und Lösungen bis möglicherweise zur Beschaffung derselben Systeme und Materialien reicht. Im Mittelpunkt der Wertschöpfung steht der Nutzer, angefangen vom Requirement bis zur fertigen Lösung. Die Nutzer definieren mit, welche Ergebnisse am Ende eines Spirals, also eines Entwicklungszyklus, stehen sollen. Sie sind auch in das Testen von Prototypen und in die Validierung möglicher Lösungen in den Test- und Versuchsstrukturen des Heeres in Munster eingebunden.

Das Ziel aller beteiligten Bereiche ist es, im Programm TEN Mehrwerte für den Nutzer zu schaffen, Zusagen im Rahmen des Fähigkeitsprofils und der NATO einzuhalten und die digitale Transformation weiter voranzutreiben, technisch, prozessual und organisatorisch.
 

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