BWI übernimmt IT-Betrieb an der Führungsakademie der Bundeswehr

© FüAkBw

Bundeswehr

Seit den 1950er Jahren bildet die Bundeswehr an der Führungsakademie (angehende) Stabsoffiziere sowie Generale, Admirale und zivile Führungskräfte aus. Neben deutschen Lehrgangsteilnehmern absolvieren hier auch Teilnehmer anderer Staaten Führungslehrgänge.

Rund 800 Arbeitsplatzrechner, über 560 Notebooks, mehr als 100 Drucker und knapp 150 Netzwerkkomponenten hat das 25-köpfige Team von Bundeswehr und BWI in den zurückliegenden vier Wochen in der Clausewitz- und Generalleutnant-Graf-von-Baudissin-Kaserne in Hamburg, dem Sitz der Führungsakademie, ausgeliefert. Mit Abschluss des Rollouts und der Übernahme der Netz-, File- und Serverinfrastruktur am 14. Juli erbringt die BWI den IT-Betrieb für die der Ausbildungseinrichtung – im engen Zusammenwirken mit dem S6-Personal der FüAkBw.

 

Auf dem Weg zur digitalen Ausbildungsakademie

IT-Nutzer können damit jetzt auch im Lehrgangsbetrieb auf das komplette Leistungsspektrum des IT-Systemhauses, wie beispielsweise File-, Print- und Vor-Ort-Service oder den User Help Desk, zugreifen. Aber nicht nur die Anwender profitieren von der Migration, sondern auch das bislang im Betrieb eingesetzte IT-Personal. „Mit der Übernahme können wir das dringend benötigte Fachpersonal von administrativen Aufgaben entlasten, damit es sich auf den militärischen Auftrag konzentrieren kann. In dem Fall den Eigenbetrieb von spezifischen IT-Services für die Ausbildung sicherstellen, die im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der FüAkBw zur ‚Digitalen Ausbildungsakademie für lebenslanges Lernen stehen‘“, sagt BWI-Projektleiter Daniel Arnold.

Die einheitliche und moderne Infrastruktur bildet zudem die Basis, um die Führungsakademie gemeinsam weiter zur digitalen Ausbildungseinrichtung zu entwickeln, etwa innerhalb des BWI-Programms „Technologiegestützte Ausbildung in der Bundeswehr“. Zudem hat die BWI mit dem Rollout an der FüAkBw, als der höchsten Ausbildungseinrichtung der deutschen Streitkräfte, wichtige Erkenntnisse sammeln können. „Die können wir nutzen, um weitere Ausbildungseinrichtungen der Bundeswehr zu modernisieren und zu betreiben, mit dem Ziel einer einheitlichen, harmonisierten Ausbildungsplattform“, so Arnold.

 

Beispiel der Zusammenarbeit

In den vergangenen zehn Jahren hatte die Führungsakademie den IT-Betrieb aufgrund ihrer ausbildungsspezifischen Anforderungen mit eigenem Personal selbst sichergestellt. Durch die Komplexität des Lehrbetriebs gehörte die FüAkBw zu jenen Dienststellen, deren Betriebsübernahme während des IT-Projekts HERKULES beziehungsweise mit dem damaligen Portfolio der BWI nur mit hohem zusätzlichen Aufwand möglich gewesen wäre. Um ihre Ausbildungen mit dem breiten Spektrum an zivilen und militärischen Lehrgangsteilnehmern aus verschiedenen Nationen durchführen zu können, ist es für die Akademien der Bundeswehr wichtig, Nutzergruppen zu trennen. Nur so können bei der Vielzahl internationaler Lehrgangsteilnehmender unterschiedliche Auflagen und zwischenstaatlichen Abkommen hinsichtlich militärischer- und Informationssicherheit erfüllt werden.

„Unser sich stetig weiterentwickelndes Service-Portfolio erlaubt es der BWI heute besser, auch Ausbildungseinrichtungen anzubinden“, erklärt Arnold. 2018 begannen Bundeswehr und BWI damit, eine gemeinsame Überführungsstrategie zu erarbeiten. Daniel Arnold: „Die verschiedenen Arbeitsgruppen konnten militärisch-ausbildungsrelevantes Know-how und langjährige Erfahrung aus dem Betrieb komplexer IT-Infrastrukturen in eine gemeinsame Lösungsstrategie einfließen lassen.“ Sie war auch das Fundament für den erfolgreichen Rollout an der Führungsakademie in den vergangenen Wochen – trotz Corona und mit nur minimalen Einschränkungen für den Lehrgangsbetrieb.

Das Team von Bundeswehr und BWI vor Ort (hintere Reihe von links nach rechts): Michael Sauerborn, BAAINBw, Oberstleutnant Michael Simon, BAAINBw, Oberstleutnant Dirk Schulze, FüAkBw, Major Heiko Thies, FüAkBw und Hauptmann Stefan Resenski, FüAkBw; (vordere Reihe von links nach rechts): Oberst i.G. Hansjörg Witt, FüAkBw, Tobias Kruse, BWI, Daniel Arnold, BWI, Brigadegeneral Boris Nannt, FüAkBw, Jürgen Götz, BWI, und Oberstleutnant Frank Müller, FüAkBw; © FüAkBw© FüAkBw

Vorhandene Simulationssysteme für die Ausbildung, die derzeit nicht durch die BWI bereitgestellt werden, sowie das audiovisuelle Medienzentrum bleiben zunächst in Verantwortung der FüAkBw. Das betrifft auch den abgetrennten Netzanteil für Teilnehmer aus Nicht-NATO-Staaten. Aufgrund der vielen unterschiedlichen IT-Anwendungen arbeiten BWI und das S6-Personal vor Ort eng zusammen.

 

Die Führungsakademie der Bundeswehr

Die FüAkBw ist seit ihrer Aufstellung 1957 die höchste militärische Ausbildungseinrichtung der deutschen Streitkräfte und seit 2017 direkt dem Generalinspekteur der Bundeswehr unterstellt. Mit der Aus-, Fort- und Weiterbildung militärischer und ziviler Führungskräfte auf operativer und strategischer Ebene leistet die FüAkBw einen wesentlichen Beitrag zur Einsatzbereitschaft der deutschen Streitkräfte.

Neben Bundeswehrangehörigen entsenden NATO-Mitgliedsstaaten und ausgewählte Nationen im Rahmen der militärischen Ausbildungshilfe hochrangige Offiziere zur Teilnahme an einer nationalen beziehungsweise internationalen Generalstabsausbildung. An der Führungsakademie befinden sich ständig mehr als 600 Lehrgangsteilnehmer, davon rund 100 ausländische Offiziere aus etwa 50 Nationen. Pro Jahr bildet die Akademie über 3.000 Offiziere in verschiedenen Lehrgängen und Seminaren aus.

Mit dem Projekt „Digitale Ausbildungsakademie“ schafft die FüAkBw seit 2019 die „Grundlagen für die zukünftige Lehre“. Im Vordergrund des Vorhabens stehen unter anderem vernetztes, selbstgesteuertes sowie zeit- und ortsunabhängiges Lernen. Mit dem Veränderungsprojekt wird die Führungsakademie zur „Digitalen Ausbildungsakademie für lebenslanges Lernen“ umgebaut.
 

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