7. Bundeskongress ÖPP – „HERKULES hat gezeigt, dass ÖPP funktionieren“

Unternehmen, IT-Security

Peter Blaschke blickte zu Beginn seines Vortrags auf die Beweggründe der Bundeswehr zurück, ihre IT-Modernisierung in Form einer öffentlich-privaten Partnerschaft (ÖPP) realisieren zu wollen. Ausschlaggebend sei vor allem der herrschende "Modernisierungsstau" im IT-System der Bundeswehr gewesen, der dringend aufgelöst werden musste. Hinzu sei das Wissen gekommen, dass IT in Zukunft eine immer wichtigere Rolle für die Truppe spielen werde. Die damaligen Rahmenbedingungen haben in Richtung einer Partnerschaft mit der Industrie gewiesen: So wäre ein Modernisierungsprojekt mit mehrjähriger Laufzeit kameralistisch nur bedingt abzusichern gewesen. Darüber hinaus sei sich die Bundeswehr bewusst gewesen, dass sie ihre IT-Fachleute zukünftig stärker für den Einsatz im Ausland benötigen würde. All diese Gründe führten schließlich dazu, HERKULES als ÖPP zu realisieren, führte Blaschke aus.

 

"HERKULES ist ein IT-Restrukturierungsprojekt"

Die zentralen Ziele von HERKULES benannte der BWI-Geschäftsführer mit der Zentralisierung, Standardisierung und Konsolidierung der Bundeswehr-IT. Mit dem Abschluss der Integrationsprojekte seien wesentliche Ziele von HERKULES erreicht worden und die Bundeswehr profitiere heute einem zentralisierten, modernen und wirtschaftlichen IT-Betrieb, sagte Blaschke. Als Beispiele hierfür nannte er das Weitverkehrsnetz, die Rechenzentren, die Liegenschaftsnetze, den zentralen User Help Desk sowie die dezentrale Serviceorganisation, den SASPF-Rollout, aber auch die zentrale System-Management-Infrastruktur und die zentrale Mailplattform. Auch bei der Konsolidierung habe man große Fortschritte gemacht, so gebe es heute statt 6.000 Softwareprodukten nur noch rund 300. Das gefalle natürlich nicht jedem Nutzer, machte Blaschke deutlich: "HERKULES ist aber nicht nur ein Modernisierungsvorhaben, sondern vor allem ein IT-Restrukturierungsprojekt. Gerade diese Tatsache hätte in der Bundeswehr noch sehr viel stärker kommuniziert werden können." Der erfolgreichen IT-Modernisierung durch den BWI Leistungsverbund tue dies aber keinen Abbruch.

 

2016 - und was dann?

Die Diskussion, welche Optionen für die Zeit nach 2016 möglich, sinnvoll und wirtschaftlich seien, habe bereits begonnen. Hier sei die BWI aber nur das Objekt über das man spräche. Den Weg, den man schließlich gehen wolle, werden die Verantwortlichen in der Bundeswehr und in der Bundesverwaltung vorgeben, machte der BWI-Geschäftsführer deutlich. Bruno Kahl, Abteilungsleiter Bundesbeteiligungen im Bundesfinanzministerium (BMF), nahm diese Aussage auf: Man sei sich der Erfolge von HERKULES in den Ministerien bewusst und überlege intensiv, welche Erfahrungen und Erkenntnisse aus diesem Projekt man für Modernisierungsvorhaben anderer Behörden nutzen könne. Bis zu fünf Ministerien seien in die Gespräche über die verschiedenen Möglichkeiten eingebunden, wie es nach 2016 weitergehen solle. Dabei habe das Bundesverteidigungsministerium (BMVg) natürlich, das Vorrecht zu entscheiden, da es sich um ein Projekt der Bundeswehr handele. Kahl sagte: "Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass man die Erfolge, die mit der Partnerschaft zwischen Bund und Industrie verbunden seien, leichtfertig aufgibt." Denn das angesammelte Know-how und die positiven Ergebnisse sprächen deutlich für das ÖPP-Modell. "BWI und HERKULES haben vorgemacht, dass ÖPP erfolgreich umgesetzt werden können", so Kahl.

 

"BWI wird es auch nach 2016 geben"

ÖPP müsse man als Win-Win-Situation für beide Partner begreifen und auch so umsetzen, machte Lothar Mackert deutlich, der die Rolle der Industrie im Podium vertrat. Hier habe die Industrie bei HERKULES anfangs auch dazu lernen müssen. Die heutigen Erfolge aber sprächen für sich. Auf die Frage des Moderators, welche Lösung er nach 2016 bevorzugen würde, sagte Mackert: "Die Wertschöpfung mit einem ÖPP ist so hoch, dass man auch nach 2016 mit diesem bewährten Modell bei HERKULES weitermachen sollte." Blaschke stellte zum Abschluss des Forums noch einmal deutlich heraus, dass die BWI auch nach 2016 die IT-Gesellschaft der Bundeswehr sein werde. Denn neben den technischen Anlagen, sei das gesamte IT-Know-how zum nichtmilitärischen IT-System der Bundeswehr in der Gesellschaft gebündelt. Einzig die Frage nach den Eigentumsverhältnissen sei heute noch reine Spekulation. Aber wie die vom BMVg angestrebte Lösung aussehen werde, werde man 2013 sicherlich erfahren.

 

 

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