Stillstand unerwünscht: Innovation und Führungskultur in der Bundeswehr

© BWI GmbH

Innovation, Bundeswehr

Der Begriff Innovation ist oft mit der Idee von disruptiven Neuerungen besetzt. Doch radikal andere und rasch in den Markt gebrachte Produkte und Lösungen sind nicht immer sinnvoll. Beispielsweise, wenn viel auf dem Spiel steht – so wie bei der Bundeswehr, wo sich Soldat*innen auf sichere und funktionierende Anwendungen verlassen müssen. „Wir verstehen Innovation so, dass sie einen wertschöpfenden Beitrag leisten muss. Wir suchen also einen Use-Case, der vom Nutzer aus getrieben ist“, erklärt Matthias Görtz, Chief Technology Officer der BWI, auf dem Online-Symposium des Digitalen Staates zum Thema „Erfolgreiches Innovationsmanagement bei der in der Bundeswehr – eine Frage der Führungskultur?“ Diesem Verständnis von Neuerung folgend bereitet die BWI in den deutschen Streitkräften den Weg für alltagsrelevante, nutzerorientierte Anwendungen und Lösungen. Ein Beispiel dafür ist der BwMessenger. Hier entwickelte die BWI im Auftrag der Bundeswehr einen Instant-Messenger auf Open-Source-Basis, mit dem Soldat*innen einfach und sicher untereinander kommunizieren können.

Umsetzung ist der Schlüssel zum Erfolg

Innovation ist allerdings kein Selbstläufer, weiß Görtz: „Langwierige Managementprozesse töten Innovation.“ Weil gute Ideen je nach Organisationsstruktur leicht verstanden können, fordert er stattdessen Freiräume, in denen Menschen ihre Ideen vorbringen und ohne Angst ausprobieren können. Eine solche Innovationskultur verankern Streitkräfte und BWI in Einrichtungen wie dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr. Der Hub ist der wesentliche Knotenpunkt zwischen Start-ups und den deutschen Streitkräften und somit ein wichtiger Treiber, um Innovation in die Truppe zu bringen. Das entspricht auch der Forderung von Görtz: „Weg von der Theorie, umsetzen, umsetzen, umsetzen – und Innovation erlebbar machen.“

Zudem untersucht die BWI mit ihrem Innovation Management den Markt auf digitale Trends und Technologien, die sich für die Bundeswehr eignen, entwickelt daraus Ideen für Lösungen und erprobt sie praktisch in Experimenten – mit dem Nutzer für den Nutzer.

„Langwierige Managementprozesse töten Innovation.“

Matthias Görtz, CTO & VP Innovation & Technology, BWI

Die richtige Mentalität als Innovationstreiber

Neben den passenden Strukturen braucht die Bundeswehr die richtige Einstellung, um neue Herangehensweisen zu fördern. „Das Prinzip ‚Führen mit Auftrag‘ stärkt Initiative, eigene Ideen und Innovation“. Mit diesen klaren Worten äußerte sich Generalmajor Dr. Michael Färber, Kommandeur des Kommandos Informationstechnik der Bundeswehr, in der Diskussionsrunde. Das Konzept motiviert Soldat*innen dazu, für das Erreichen eines Ziels eigenverantwortlich zu handeln. Somit ist der Endpunkt festgelegt, jedoch nicht, wie der Weg dahin aussieht. Das bedeute, dass man eigene Ideen des unterstellten Bereichs zulasse und Befehle durch die Untergebenen nicht nur einfach abgearbeitet würden, machte Färber im Panel deutlich. Dahingehend müsse Führungspersonal in der Bundeswehr gezielt Eigenverantwortung von Soldat*innen fordern und eine Fehlerkultur etablieren, in der jeder Einzelne aus Misserfolgen lernen kann.

Doch nicht nur in der Führung setzt die Bundeswehr auf neue Ansätze. Auch bei der fähigkeitsbasierten Planung seien neue Denkweisen gefragt. Generalmajor Färber betonte, dass es nicht bedeuten müsse, wenn die Bundeswehr in der Vergangenheit für eine Aufgabe einen Panzer gebraucht habe, dass es für die gleiche Aufgabe auch in den nächsten 40 Jahren einen Panzer benötige. In der Tat wird beispielsweise das Gefechtsfeld immer digitaler und Gefahren im Cyberraum wachsen.

Unterstützung bei ihren Digitalisierungsvorhaben bekommt die Bundeswehr dabei von der BWI, ihrem IT-Systemhaus. Als Digitalisierungspartner unterstützt sie die Streitkräfte dabei, etwa mit Experimenten neue Technologien und Lösungen zu erproben, mit denen die Streitkräfte auch in den kommenden Jahren zukunftsfähig aufgestellt sein werden.
 

„Das Prinzip ‚Führen mit Auftrag‘ stärkt Initiative, eigene Ideen und Innovation.“

Generalmajor Dr. Michael Färber, Kommandeur des Kommandos Informationstechnik der Bundeswehr

Das könnte Sie auch interessieren: