Service Delivery der Military IT: Übermittlung geheimer Informationen, auch im Einsatz

Karriere, Soldaten

Im Interview erklärt Wolfgang Wendland, warum das einfacher klingt, als es ist.

Herr Wendland, Sie waren bei der BWI früher im Bereich Collaboration  angesiedelt, der im Wesentlichen für die nicht-militärische Kommunikation und  Zusammenarbeit der Bundeswehr zuständig ist. Seit kurzem sind Sie bei der DBI Military IT. Was hat sich in Ihrem Arbeitsalltag verändert?

Prinzipiell mache ich das gleiche wie früher: Ich schaffe die technischen Voraussetzungen, dass Nachrichten ungestört vom Sender zum Empfänger gelangen. Der entscheidende Unterschied: Die Eingliederung meines Bereichs in die Military IT macht den Unterschied deutlicher, dass wir Systeme mit besonderen Sicherheitsanforderungen, nämlich höher als Verschlusssache – nur für den Dienstgebrauch (VS-NfD), bereitstellen und betreiben. Das ist ein Umfeld, welches die Bundeswehr bisher meist in Eigenregie betrieben hat und häufig in der Kommunikation mit der NATO zum Einsatz kommt. Wir garantieren, dass die Nachrichten, die mit unserem System versendet werden, auch die bis geheim eingestuften, zu 100 Prozent innerhalb kürzester Zeit an den richtigen Empfänger zugestellt werden. Und das nicht nur in den Liegenschaften im Inland, sondern auch im Ausland, bei Katastropheneinsätzen und in Krisengebieten.

„Wir garantieren, dass auch geheime Informationen zu 100 Prozent an den richtigen Empfänger zugestellt werden – innerhalb von drei Minuten.“

Wolfgang Wendland, BWI GmbH, Service Delivery Military IT

Wie stellen Sie sicher, dass die Geheimhaltungsstufen eingehalten werden?

Die Geheimhaltungsstufen haben Auswirkungen auf die genutzte Hard- und Software, wie auch auf das gesamte Netzwerk. Wir können unseren Soldaten nicht einfach einen normalen PC oder Laptop geben, mit dem er seine Nachrichten verschickt, sondern statten diese mit spezieller Hardware aus, die an ein Netzwerk angeschlossen wird, die für den Austausch geheimer Informationen geeignet ist. 
Aber auch bei unserer täglichen Arbeit müssen wir strenge Regularien beachten. Einige Anwendungen dürfen wir beispielsweise nur in speziell abgesicherten, „abstrahlgeprüften“ Räumen nutzen. Das heißt, dass unsere Mitarbeiter auch im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) in abstrahlungsgedämmten Räumen arbeiten und dort die Endgeräte administrieren oder einer Reparatur zuführen. 
 

Das klingt nach einer Vielzahl an spezialisierten Prozessen, die Sie einhalten müssen.

Natürlich müssen wir das – wir werden beispielsweise auch regelmäßig von der Deutschen militärischen Security Accreditation Authority (DEUmilSAA) überprüft, die darauf achtet, dass die Vorgaben des Bundesministerium für Sicherheit und Informationstechnik (BSI) eingehalten werden. Die DEUmilSAA überwacht, dass wir alle Vorschriften zur geheimen Kommunikation einhalten und erstellt die „Approval to Operate“ – nur dann dürfen wir die Systeme weiterbetreiben. Aber bei allen Standardprozessen der BWI gibt es in unserer Abteilung auch einige zusätzliche Anforderungen. Denn nicht alle Bestimmungen in fernen Ländern passen zu diesen Standards. Häufig gibt es Situationen, in denen ein alternativer Plan umgesetzt werden muss. Aber unsere Mitarbeiter sind kreativ, bringen eigene Ideen ein. Wichtig ist für unser Team vor allem eines: Was will und braucht unser Kunde? Was hilft ihm im Alltag weiter? Wie lässt sich die Sicherheit der Soldaten mithilfe von moderner Informationstechnik verbessern?

Wie schaffen Sie es, dass die Nachrichten immer ankommen – egal, wo sich die Soldaten gerade aufhalten?

Unsere Techniker kümmern sich als Team sieben Tage die Woche rund um die Uhr um eventuelle Störungen. Dabei sind kürzeste Reaktionszeiten gefordert. 20 Mitarbeiter arbeiten im Schichtbetrieb im System Control Center im Rechenzentrum Bonn und stellen mithilfe von Überwachungsmechanismen sicher, dass das System dauerhaft verfügbar ist. Knapp 20 weitere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen arbeiten im Service Development und helfen unseren Kunden bei technischen Fragen – egal, ob sie Probleme mit der Hard- oder Software oder einfach nur das Passwort vergessen haben. So sorgen wir mit Unterstützung anderer Abteilungen der BWI jederzeit dafür, dass die Infrastruktur funktioniert.

Ihre Abteilung wächst und Sie stellen weitere Mitarbeiter ein. Welche Aufgaben erwartet diese und welche Qualifikationen sollten sie mitbringen? 

Zukünftig wird die BWI immer mehr militärische IT-Aufgaben der Bundeswehr übernehmen. Deshalb suchen wir Mitarbeiter, die unter anderem als Service Manager, System-Expert oder auch System Engineer in den unterschiedlichen Ausprägungsstufen – vom Junior bis hin zum Senior – bei der BWI einsteigen wollen. Eine vorangegangene Laufbahn als Soldat bei der Bundeswehr wäre das i-Tüpfelchen, ist aber kein Muss. Ehemalige Zeitsoldaten haben den Vorteil, dass sie die Besonderheiten der Bundeswehr kennen und sich nicht lange einarbeiten müssen, um unseren Kunden zu verstehen.

Mindestens genauso wichtig ist aber IT-Fachwissen, Engagement und der Wille, Lösungen zu finden. Bevor sie mit den gesicherten Systemen der Bundeswehr arbeiten dürfen, machen wir sie durch geeignete Schulungen und Einweisungen, z.B. an der produktionsnahen Testumgebung (PTU) fit für ihre zukünftigen Aufgaben.

Worüber sich unsere Mitarbeiter stets bewusst sein müssen: Wir betreiben z.B. mit dem Military Message Handling System der Bundeswehr (MMHSBw) ein Führungsmittel für die übergeordneten Dienststellen, wie dem Einsatzführungskommando, der im Ernstfall Leben retten kann und soll. Nur wenn Soldaten auch im Einsatz immer alle wichtigen Informationen zur Verfügung haben, sind sie über die aktuelle Lage im Bilde und können entsprechend agieren. Wir tragen so zur Sicherheit unserer Soldaten bei. Das ist eine große Verantwortung und motiviert uns jeden Tag aufs Neue zu Spitzenleistungen.

„Wir tragen zur Sicherheit unserer Soldaten bei.“

Wolfgang Wendland, BWI GmbH, Service Delivery Military IT

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