Schneller, agiler, digitaler:
Die Innovationsmacher der Bundesressorts

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Redaktion BWI

Innovation

Als das Coronavirus kam, schien alles ganz schnell zu gehen. Innerhalb kürzester Zeit reagierte die Bundesregierung mit ersten Maßnahmen, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen und die Wirtschaft – insbesondere die Versorgung in systemrelevanten Bereichen – möglichst stabil zu erhalten. Und dann startete die Regierung ein Projekt, das ihr in dieser Form wohl nur wenige zugetraut hätten: einen bundesweiten digitalen Hackathon.

Christina Lang ist der Kopf der Aktion. Die 29-Jährige ist Mitgründerin und Leiterin der im Frühjahr 2019 gegründeten Organisation 4Germany, die Digitalexperten projektbasiert in Ministerien und Behörden entsendet. Über die Programme Tech4Germany und Work4Germany werden sogenannte Fellows rekrutiert, die mit ihrer Startup-Denke auf schnelle Lösungen spezialisiert sind und Beamte und Angestellte dabei unterstützen, agil zu denken und zu arbeiten. Die Hackathon-Idee von Christina Lang kam in der Coronakrise wie gerufen: Innerhalb weniger Tage organisierte ihr Team den #WirVsVirus-Hackathon, der Hunderte Ideen von Bürgerinnen und Bürgern sammelte, um Probleme der Pandemie digital zu lösen. So entstand beispielsweise ein Chatbot, der den Antrag auf Kurzarbeit vereinfacht und damit Unternehmen unterstützt.

Ressorts setzen auf Ideenschmieden

Der Hackathon machte 4Germany öffentlich bekannt. Aktiv war die Taskforce schon Monate zuvor. Nach ähnlichen Modellen arbeiten im Hintergrund auch andere Ressorts an digitalen Initiativen mit agilem Startup-Charakter.

Um Innovationen in die öffentliche Verwaltung zu bringen, stellt die BWI Plattformen beziehungsweise Ökosysteme bereit, um Digitallösungen zu initialisieren und pilotieren – die Innovation Hubs. Das Bundesgesundheitsministerium beispielsweise hat im April 2019 den Health Innovation Hub (HIH) ins Leben gerufen – gehostet von der BWI. Ob digitale Patientenakte, eRezepte oder Online-Terminservices: Ziel des elfköpfigen Expertenteams ist es, neue Digitaltechnologien für die Patientenversorgung zu untersuchen und schnell nutzbar zu machen. Dazu schlägt der HIGH die Brücke zur Digitalszene.

Der Health Innovation Hub wurde nach dem Vorbild des 2017 gegründeten Cyber Innovation Hub der Bundeswehr (CIHBw) gestaltet. Nach einer dreijährigen Pilotphase wurde dieser Anfang 2020 in der BWI verstetigt. Dessen Auftrag ist, digitale Lösungen für die Streitkräfte iterativ und schnell umzusetzen. Hierfür arbeitet der CIHBw eng mit Bundeswehr und Startup-Szene zusammen.

„Der Hackathon #WirVsVirus ist eine Blaupause für eine neue digitale Beteiligung in unserer Gesellschaft.“

Christina Lang, Mitgründerin und Leiterin 4Germany

Innovation für die Bundeswehr

„Accelerating Innovation to our Soldiers“ lautet die Mission des CIHBw. Übersetzt: Die Einheit entwickelt mit hoher Geschwindigkeit Lösungsansätze für aktuelle Herausforderungen in der Bundeswehr – in jedem Projekt mit einem Nutzer zusammen. So ist etwa auch die eToken-App entstanden, mit der Soldat*innen per Smartphone digitale Gutscheincodes für kostenfreie Bahnfahrten downloaden können. Auch kurzfristig von unterwegs. Die App brauchte, auch Dank der in Startups üblichen agilen Arbeitsmethoden wie Scrum, nur drei Monate Entwicklungszeit – von der Idee bis zum Launch.

Ein anderer Schwerpunkt des CIHBw ist, eine Gründerkultur in die Bundeswehr zu bringen und die Innovationsbereitschaft zu fördern sowie die agile Kultur, deren Methodenund Mindset in der Arbeitsweise der gesamten Bundeswehr zu verankern. Auftrag ist es einerseits, die besten derzeitigen Innovatoren für die Bundeswehr zu gewinnen, und andererseits Soldat*innen mit innovativem Mindset zu befähigen und zu fördern.

„Wir wollen den Intrapreneur-Geist in der Bundeswehr wecken, um das große Innovationspotenzial in der Truppe zu nutzen.“

Sven Weizenegger, Leiter Cyber Innovation Hub der Bundeswehr

Trends finden, Impulse setzen

Neue Lösungen entwickeln, und die eigene Innovationskraft stärken: Das sind auch Kernaufgaben des Innovation Managements (IMM) der BWI. Neben unternehmensweiten Innovationskampagnen, agilen Experimenten oder Events zu relevanten Trends und Technologien, agiert die Innovationseinheit der BWI aktiv als Impulsgeber für die Entwicklung eines zukunftsfähigen Unternehmensportfolios. Mit Erfolg: Zum zweiten Jahr in Folge wurde die BWI mit dem TOP-100-Siegel als eines der hundert innovativsten mittelständischen Unternehmen Deutschlands ausgezeichnet, unter anderem für seine hohe Wertschöpfung.

IMM untersucht den Markt auf digitale Trends und Technologien, die sich für Bundeswehr und Bund besonders eignen, entwickelt daraus Ideen für Lösungen und erprobt sie praktisch. Im Mittelpunkt steht der Nutzer. Der Virtuelle Lageraum ist so ein Projekt. In dem Experiment testen Luftwaffe und BWI den Einsatz von Virtual Reality, um Lage- und Einsatzbesprechungen zu verbessern. In virtuellen Lageräumen kommunizieren und interagieren die Beteiligten räumlich unabhängig miteinander – haben aber trotzdem Zugriff auf die gleichen Informationen. Gestik und Sprache dienen zur Steuerung und Sensoren übertragen Impulse. Teilnehmer können virtuelle Whiteboards oder etwa Karten- und Datenmaterial in 2D und 3D nutzen – nur einige der Möglichkeiten.

Im Gegensatz zum Corona-Hackathon laufen solche Digitalprojekte in der Regel abseits der öffentlichen Wahrnehmung. Doch sie sind nicht weniger wichtig. Und sie unterstreichen: Schnelle Innovationsprojekte, wie man sie typischerweise Startups zuschreibt, sind auch in den Bundesressorts möglich.
 

„Für uns spielen Digitale Souveränität und IT-Sicherheit eine ebenso wichtige Rolle wie Hype-Themen rund um Blockchain-Technologien, künstliche Intelligenz oder auch Quantencomputing.“

Jens Muschner, Leiter Innovation Management der BWI

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