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Lernen im virtuellen Raum: BWI sichert Training und Ausbildung der Zukunft

Redaktion BWI

Digitalisierung, Technologie

In staatlichen Organisationen sind hochspezielle Arbeitsfelder keine Seltenheit. Institutionen setzen daher häufig auf extrem spezialisierte Fachkräfte, da nur diese den einzigartigen Anforderungen gewachsen sind. Dafür sind jedoch meist teure und aufwändige Fortbildungen nötig, deren Umsetzung von den zur Verfügung stehenden Ressourcen abhängt. Hinzu kommt die Tatsache, dass das hybride oder mobile Arbeiten sich in den letzten Jahren etabliert hat. Was es jetzt braucht, sind neue Methoden für eine skalierbare, flexible Wissensvermittlung – zum Beispiel durch digitale Lernangebote.

Als Digitalisierungspartner der Bundeswehr arbeitet die BWI schon seit geraumer Zeit an innovativen, digitalen Lösungen, um die Weiterbildung für die Soldat*innen zukunftsfähiger zu machen. Das spart Zeit und Material und ermöglicht Lernen zu jeder Zeit, von jedem Ort. Gleichzeitig wird Bildung so skalierbar wie nie, denn die Zahl der Teilnehmenden ist quasi unbegrenzt. Besonders Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) eröffnen neue Trainingsmöglichkeiten für die Bundeswehr. Leicht adaptiert könnten die Projekte der BWI auch anderen Organisationen, wie zum Beispiel Polizei und Feuerwehr, bei der Aus- und Fortbildung von Nutzen sein.

Ressourcen sparen und Risiko reduzieren

Ein Beispiel aus dem Bundeswehralltag: Bei Auslandseinsätzen müssen vor Ort eingekaufte Betriebsstoffe wie Benzin oder Motoröl auf bestimmte Qualitätsstandards geprüft werden. Hierfür reisen mobile Labore – so genannte Betriebsstoff-Container – mit in den Einsatz. Darin können speziell geschulte Soldat*innen die Qualitätskontrolle durchführen. Das Problem ist jedoch, dass diese Container nur in begrenzter Anzahl verfügbar sind, was die Ausbildung deutlich erschwert.

Um die Inbetriebnahme des Betriebsstoff-Containers trotz eingeschränkter Verfügbarkeit zu erlernen, hat die BWI Innovationseinheit innoX zusammen mit der Deutschen Luftwaffe in einem Innovations-Experiment einen virtuellen Zwilling entwickelt. Das mehrmonatige Training in der Betriebsstoffprüfung könnte in dieser digitalen Lernumgebung durchgeführt werden. Dank dieser VR-gestützten Ausbildung könnten viel mehr Soldat*innen die Lehre an ihre individuellen Anforderungen anpassen und die einzelnen Lektionen zu jeder Zeit beliebig oft wiederholen.

Die Ausbildung im virtuellen Raum spart nicht nur Ressourcen – sie ermöglicht es allen Soldat*innen, die eigene Lernerfahrung im Sinne der Ermöglichungsdidaktik individuell zu gestalten.

Martin Wirzberger

Training ohne Gefahr

Auch Feuer löschen und Segelfliegen lässt sich bei der Bundeswehr dank einer Innovation der BWI nun virtuell trainieren. Ersteres wurde gemeinsam mit der Marine entwickelt. Mithilfe des VR-Firefighters können Soldat*innen realitätsnah virtuell für den Ernstfall trainieren, ohne dass ein Risiko besteht.

Für das sichere Flugtraining hat der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr (CIHBw) den VR-Segelflugsimulator entwickelt. Dank eines Motion-Boards vermitteln die Übungen mit Steuerpedale, -knüppel und VR-Brille ein täuschend echtes Fluggefühl. So können Offizier*innen sowie Anwärter*innen für den Flugdienst wichtige Erfahrungen und Kompetenzen im Voraus erlernen – unabhängig von Wetter und Jahreszeit. Die Ausbildung im virtuellen Raum liefert optimale Voraussetzungen, um sich auf die ersten richtigen Flugstunden vorzubereiten und reduziert auch das Unfallrisiko.

Natürlich ersetzt diese Art des digitalen Lernens die Übungen im realen Leben nicht gänzlich, doch lassen sich die „echten“ Trainingsstunden reduzieren, was sich wiederum positiv auf zeitliche und finanzielle Aufwände auswirkt. Außerdem sind Auffrischungstrainings so leichter und öfter möglich.

Scrum spielend erproben

Für die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) hat der CIHBw einen digitalen Ansatz entwickelt, um angehenden Führungskräften agiles Projektmanagement näherzubringen. Die Minecraft AR projiziert 3D-Abbildungen im Stil des beliebten Spiels Minecraft in der realen Welt, welche die Soldat*innen durch die HoloLens-Datenbrille sehen können. In dieser Umgebung gilt es, bestimmte lagebildbezogene Herausforderungen zu lösen, wie zum Beispiel die Planung eines Lagers. Mithilfe dieses Gamification-Ansatzes lernen die angehenden Führungskräfte spielerisch den Einsatz von Scrum, einer Methode für agiles Projektmanagement. Durch die Technologie lassen sich alle erdenklichen Szenarien und Probleme erschaffen, um den Einsatz im echten Leben so gut wie möglich üben zu können.

Mehrwert auch für Polizei, Feuerwehr und Co.

Neben den bisherigen Einsatzgebieten lassen sich die Digitallösungen der BWI auch in anderen Bereichen der Bundeswehr nutzen. So kann die VR-Ausbildung beispielweise auch beim Onboarding im Homeoffice oder bei teuren oder risikoreicheren Fortbildungen eingesetzt werden. Minecraft AR lässt sich ebenfalls auf andere Prozesse innerhalb der Bundeswehr adaptieren, die Teamarbeit und Kommunikation trainieren sollen.

Auch außerhalb der Ausbildung der deutschen Streitkräfte dienen die Projekte als Blaupausen für verschiedenste Trainingsszenarien: Für gefahrenreiche Ausbildungsaspekte wie bei Polizei, Feuerwehr oder in der Mobilitätsbranche wären digitale Lösungen wie die VR-gestützte Ausbildung, der VR-Firefighter oder der Flugsimulator replizierbar. Minecraft-AR ließe sich dagegen auch zum Erlernen des Scrum-Ansatzes in anderen Branchen einsetzen – oder, um Zusammenarbeit und Kommunikation in Teams zu trainieren, nicht nur auf Bundeswehrebene.

Innovative Lösungen wie die genannten sind essenziell, um die Digitalisierung in Deutschland in allen Branchen und Unternehmen zu beschleunigen und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. BWI und Bundeswehr wollen diese Entwicklung durch ihre Zusammenarbeit aktiv vorantreiben.

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