Lagebesprechung der Zukunft: BWI testet Virtual-Reality-Technologien mit Luftwaffe

© Falk Bärwald/Bundeswehr
Markus Zobel
Markus Zobel

Innovation, Bundeswehr

Mehr und bessere Fähigkeiten durch Digitalisierung gehört zu den Schwerpunktthemen der Bundeswehr. Im Kern geht es um den schnelleren und effizienteren Informationsaustausch innerhalb der Streitkräfte und im Zusammenspiel mit Partnern. Dafür müssen geeignete, marktverfügbare und zukunftsorientierte Technologien identifiziert und hinsichtlich Nutzen, Mehrwert, Risiken und Potentialen bewertet werden. Wie zum Beispiel Virtual Reality (VR). Derzeit erprobt die BWI innerhalb ihres Innovation Managements mit der deutschen Luftwaffe, wie Lagebesprechungen mittels VR-Technologien optimiert werden können.

Die Lagebesprechung von morgen

Lagebesprechungen und entsprechende Darstellungen gehören bei der Bundeswehr zum operativen Alltag. Bereits heute bringt moderne Konferenztechnik räumlich voneinander getrennte Gesprächsteilnehmer zusammen, zum Beispiel mittels Audio- oder Video-Sharing. Doch gerade wenn es um die Synchronisation von Informationen und die Sicherstellung konsistenter Beschlüsse geht, kommen klassische Konferenztechniken an ihre Grenzen. Hier kommt VR-Technologie ins Spiel. In einem virtuellen Lageraum können Gesprächspartner räumlich unabhängig und in nahezu Echtzeit miteinander interagieren. Gestik und Sprache dienen dabei zur Steuerung, Sensoren übertragen die Impulse.

Und die virtuelle Technik bringt weitere Vorteile: So fällt beispielsweise Synchronisationsaufwand weg, der bei einer herkömmlichen Audio- oder Videokonferenz anfiele. Dadurch wiederum lassen sich Transaktionskosten reduzieren. Außerdem können Informationen mit VR deutlich einfacher erfasst werden und Gesprächsergebnisse sind konsistenter. Nicht zuletzt entsteht durch die Zusammenarbeit im virtuellen Raum trotz physisch-räumlicher Distanz ein Gemeinschaftsgefühl unter den Teilnehmern.

 

Lufteinsatzbefehl mit VR

In einem virtuellen, dreidimensionalen militärischen Lageraum interagieren Teilnehmer, durch Avatare vertreten, mit den neuen Möglichkeiten, die VR bietet. Dabei nutzen sie virtuelle Whiteboards, Karten- und Datenmaterial in 2D, 3D sowie Live-Material aus verschiedenen Quellen. Zudem könnten Office- und Kollaborationstools gekoppelt und in die virtuellen Räume integriert werden. Das unterstützt die Lagebesprechung inhaltlich und macht die interaktive, kollaborative Planung realistischer und letzten Endes effektiver. Auf wichtige Ergebnisse können die Teilnehmer dank integrierter Protokollfunktion jederzeit problemlos zurückgreifen, um diese digital weiterzuverarbeiten.

Ein konkretes Szenario für den Nutzen von VR ist der Lufteinsatzbefehl „Air Tasking Order“ (ATO) der Luftwaffe. Hierbei geht es darum, Aktionen mit verschiedenen Handelnden aufeinander abzustimmen und zu koordinieren. Eine ATO beinhaltet detaillierte Aufgaben für jedes einzelne Luftfahrzeug, gegliedert nach Kennnummern, und liefert die Informationen, die für deren Zusammenarbeit notwendig sind.

 

Bundeswehr gewinnt virtuellen Raum für sich

Im Auftrag des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) lotet die BWI seit Oktober letzten Jahres Einsatzmöglichkeiten der Technologie für dieses und andere Szenarien aus und entwickelt für die Luftwaffe 3D-VR-Lageräume. Die technologische Basis hierfür bilden Systeme, die auf unterschiedlichen Cloud-gestützten Plattformen betrieben und mittels Microservices miteinander verbunden werden. Das Projekt setzt die BWI agil auf Basis des Scrum Frameworks um.

Die Bundeswehr erarbeitet hierbei mit der BWI konkrete Anwendungsfälle in Form von User Stories, die in Sprints entwickelt und bereitgestellt werden. Am Beispiel von ATO werden Einsatzlagebesprechungen mit VR-Technologie und speziell aufbereiteten interaktiven Karten durchgeführt. Dadurch sollen Abstimmungen für die räumlich verteilten Luftfahrzeugbesatzungen erleichtert und beschleunigt werden.

Die BWI wird die Erkenntnisse des Innovations-Experiments, bei dem sie mit Partnern aus Forschung, Industrie und Start-Ups wie Esri, WeAre, dem Zentrum für Softwarekompetenz der Bundeswehr und Fraunhofer IOSB zusammenarbeitet, bis Ende Juni auswerten. Die Bundeswehr wird über den weiteren Verlauf entscheiden. Dann könnte Virtual Reality für Lagebesprechungen Realität werden.

 

Mehr zum Thema Virtual Reality im Blog der BWI

Spatial Computing: Wenn reale und virtuelle Welt verschmelzen

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