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Innovationen in der Bundeswehr – von der Idee zur nutzerfreundlichen Anwendung

Redaktion BWI

Bundeswehr, Innovation

Innovation in der Bundeswehr dient nicht dem Selbstzweck, sondern der Truppe. Sie kann dort jedoch erst dann einen effektiven Nutzen erbringen, wenn ihr Mehrwert langfristig verankert wird. Gerade deshalb ist die Verstetigung von Innovationen ein erfolgskritischer Aspekt: Eine positiv evaluierte Idee muss von den Beteiligten aus dem Ideenstatus gehoben und in die Praxis umgesetzt werden. Der entwickelte Prototyp ist nicht das Ziel, sondern ein wichtiger Zwischenschritt. Der Fokus muss darauf liegen, eine Innovation der Bundeswehr nachhaltig zur Verfügung zu stellen.

Eine Innovation ist dann erfolgreich, wenn sie in den dauerhaften Einsatz überführt ist

Innovationseinheiten, Digital Innovation Units oder Innovation Labs liegen derzeit voll im Trend. Überall auf der Welt wird kräftig in Innovationen investiert. Doch nicht immer erzielen die Protagonisten damit die gewünschten Erfolge. Im Gegenteil, die Erkenntnis vieler Studien lautet: Durch Innovationseinheiten allein werden Unternehmen nicht zwingend innovativer. Aber woran liegt das?

Ein Grundprinzip des Innovationsmanagements lautet „Fail fast, learn fast, improve fast“. Eine Organisation muss eine Kultur bieten, in der Mitarbeiter experimentieren und Ideen ausprobieren können. Erfolgreich wird eine Innovation jedoch erst dann, wenn sie aus dem Innovationsstatus herausgehoben und zum dauerhaften Einsatz bestimmt ist, also erwachsen und in einen regulären Betrieb überführt wird. Erst dann steht sie allen potenziellen Nutzer*innen für ihre Arbeit zur Verfügung und kann Mehrwerte schaffen.

Videosprechstunde und PflegeApp als erfolgreiche Beispiele für Innovation

Das KdoCIR, das BwK Berlin und die BWI haben diesen Faktor als erfolgskritisch identifiziert und arbeiten gemeinsam daran, innovative Ideen in eine dauerhafte Nutzung zu überführen. Ein Beispiel hierfür ist die Videosprechstunde, bei der (zunächst) Patient*innen des BwK Berlin ihren Termin über das private Smartphone oder Tablet in Form eines Video-gestützten Gesprächs mit ärztlichem Fachpersonal wahrnehmen können. Dieses Vorhaben wurde jüngst mit dem Paul-Schürmann-Preis ausgezeichnet. Dieser Preis wird seit 1968 alle zwei Jahre durch die Deutsche Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie e. V. für herausragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Wehrmedizin und Wehrpharmazie vergeben.

Ein weiteres Beispiel ist die sogenannte PflegeApp. Sie vereinfacht die Kommunikation zwischen stationären Patient*innen des BwK Berlin mit dem Pflegepersonal und trägt damit zur Entlastung in der Pflege bei. So können Patient*innen über die App beispielsweise ihr konkretes Anliegen direkt mitteilen und das Personal kann effizienter auf dieses eingehen. „Das medizinische Personal der Urologie möchte auch zukünftig sehr gerne die PflegeApp nutzen und diese Arbeitserleichterung nicht mehr missen“, hält Hauptfeldwebel Manja Liebrenz, Stationsleitung der Urologie im BwK Berlin, ihre Erfahrung fest.

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Von der Idee über Live-Testung zur flächendeckenden Einführung

Die Ideen für diese beiden Innovationsvorhaben haben Ärzt*innen und Pflegepersonal des BwK Berlin beim Cyber Innovation Hub der Bundeswehr (CIHBw), einer Innovationseinheit der BWI, eingebracht. Bevor es in die Umsetzung gehen konnte, hat das KdoCIR über eine Redundanzprüfung festgestellt, dass in der Bundeswehr kein gleichartiges Projekt besteht. Nach dem „Go“ aus dem KdoCIR konnte der CIHBw geeignete Prototypen bereitstellen und sie gemeinsam mit dem BwK Berlin im Live-Betrieb testen. Zum Abschluss des Innovationsvorhabens hat der CIHBw die dokumentierten Ergebnisse dem KdoCIR als zentralem Bedarfsdecker für das Teilportfolio Cyber/IT übergeben.

Mit Hilfe weiterer Beiträge des BwK Berlin konnten die Beteiligten die Resultate aus den Innovationsvorhaben innerhalb kurzer Zeit so aufbereiten, dass ein so genannter erweiterter Abschlussbericht unmittelbar die Planungs- und Beschaffungsprozesse anstoßen konnte. „Auf diese Weise haben sich die beteiligten Einheiten optimal gegenseitig ergänzt“, so Oberstleutnant i.G. Tim Frenzel, Referatsleiter Digitalisierung im KdoCIR. „Wir haben von der ersten Idee bis zur Überführung in den Planungsprozess einen kontinuierlich erfolgreichen und zügigen Durchlauf erreicht.“ Was nun folgt, ist die Beschaffung und flächendeckende Einführung über die im Customer Product Management (CPM) geregelten Prozesse.

Nutzung der Prototypen bis zur offiziellen Einführung

Um die Wartezeit zwischen dem Abschluss des Innovationsvorhabens und der Übergabe der zu beschaffenden Lösung an die Truppe zu überbrücken, erhält die BWI die Prototypen der Videosprechstunde und der PflegeApp für die am Innovationsvorhaben Beteiligten des BwK Berlin in Funktion und Umfang weiterhin aufrecht. „Zum Zwecke der weiteren Erprobung der Lösung werden wir die PflegeApp künftig auch der Station der Dermatologie zur Verfügung stellen“, so Stephanie Kreppold, Innovation & Technology Engagement Managerin bei der BWI. „Jedoch verändern wir den Prototypen entlang der Erkenntnisse des ersten Innovationsvorhabens.“ Hierdurch können die Beteiligten weitere Anforderungen ermitteln und andere Anwendungsmöglichkeiten testen, die im Zuge des Beschaffungsprozesses ohnehin zu prüfen wären. Im besten Fall trägt dies zu einer weiteren Beschleunigung der Beschaffung bei.

Zwischenzeitig sind auch andere Bereiche der Bundeswehr abseits des Sanitätsdienstes auf die Funktionalität der Videosprechstunde aufmerksam geworden. Aus diesem Grund führt der CIHBw parallel ein weiteres Innovationsvorhaben durch, bei dem die Anwendung beispielsweise auf die Anforderungen der Karrierecenter der Bundeswehr und des Sozialdienstes der Bundeswehr angepasst und in Zusammenarbeit mit diesen getestet wird.

Videosprechstunde und PflegeApp sind nur zwei Beispiele für Innovationen, die bereits ihren Nutzen belegt haben und bereit sind für die Übernahme in den Regelbetrieb. Auch das „Virtuelle Truppenbesuchszentrum“ zur Bewerbung von spezifischen Berufsbildern der Bundeswehr in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Personalwesen in der Bundeswehr oder die App „BwSmartFit“ zur digitalen Abnahme des Basis Fitness Tests (BFT) in Kooperation mit der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf schaffen Mehrwerte für die Bundeswehr und sollten nach Aussage der an der Erprobung beteiligten Nutzer*innen ihren Weg ins Portfolio finden – um nur zwei weitere Beispiele zu nennen.

Ein Mehrwert für die Anwender*innen

Innovation bedeutet Kulturwandel. Das BwK Berlin, das KdoCIR und die BWI mit dem CIHBw haben gemeinsam gezeigt, dass es über Organisationsgrenzen hinweg möglich ist, eine Innovationskultur zu etablieren und Innovation mit den Planungs- und Beschaffungsprozessen sinnvoll zu verzahnen – immer mit dem Ziel, einen direkten, zügigen Mehrwert für die Endanwender*innen zu generieren, an dieser Stelle für die Behandler*innen und ihre Patient*innen im Krankenhaus der Bundeswehr in Berlin.

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