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Innovation im Segelfliegen: Bundeswehr übt mit täuschend echtem Fluggefühl im VR-Simulator

Redaktion BWI

Bundeswehr, Innovation

Die angehende Offizierin Martina P. presst sich fest in den schwarzen Sitz des Flugsimulators. Sie trägt eine AR-Brille, die sie komplett in die virtuelle Flugstunde eintauchen lässt. Ihre Hände haben den Steuerknüppel fest umklammert, ihr Atem geht schneller – leichte Schweißperlen bilden sich auf ihrer Stirn und Oberlippe. Ab und zu greift sie hektisch zum Bremsklappenhebel und betätigt die Seitenruderpedale. Ihre Körperhaltung verrät höchste Anspannung. Schließlich entspannt sich Martina P., nimmt die Hand vom Steuerknüppel und setzt die Brille mit den Worten ab: „Oh je, was für eine Bruchlandung, das Flugzeug ist komplett hinüber.“

Fliegen wie in der Realität im 3D-Simulator

Das Trainingsszenario macht das Besonderes des VR-Segelflugsimulators deutlich: Er ermöglicht ein Fluggefühl, das dem in einem realen Flugzeug gleicht. Um dieses zu erzeugen, kommt ein Motion-Board in Kombination mit einer VR-Brille zum Einsatz. Der Simulator imitiert alle Bewegungen und Beschleunigungen, die das Cockpit in der Luft machen würde. Zu diesem Zweck gibt es drei Motoren, die den Sitz nach oben, nach unten und zur Seite schwenken. Die Piloten*innen bedienen im Simulator die Steuerpedale und den Steuerknüppel. Während der Übung tragen sie eine VR-Brille, mit der sie ein dreidimensionales, sehr reales Bild der Landschaft und des Cockpits sehen: einzelne Wolken, vorbeiziehende Landschaften – alles sieht verblüffend echt aus und ganz anders als beim Segelfliegen am Computer. Auch Flugzeugtyp und Startart können ausgewählt werden.

Damit dieses täuschend echte Fluggefühl aufkommen kann, nutzt der CIHBw Virtual Reality für die richtige Optik und ein Motion-Board für die Haptik. Entwickelt hat ihn ein passionierter Segelflieger und -fluglehrer. Der CIHBw hat den Simulator zusammen mit der Luftwaffe und einem Berliner Start-up weiterentwickelt und erprobt.

Risikolos und virtuell für Gefahrensituationen trainieren

Durch das Motion-Board und die VR-Brille fühlt sich die Flugsimulation an wie echt. Damit unterscheidet sich der VR-Segelflugsimulator von allen bisherigen Trainingsmöglichkeiten. Angehende Segelflieger*innen der Bundeswehr können damit Routinevorgänge und auch brenzlige Situationen gefahrenfrei üben, bis die Reaktionen eingespielt sind. Was zum Lernerfolg beiträgt: Jeder Flug kann aufgezeichnet und im Nachgang besprochen werden. Selbst auf regionale landschaftliche Besonderheiten wie beispielsweise Hochgebirge können sich die Flugschüler*innen im virtuellen Raum gezielt vorbereiten.

Das wirkt sich positiv auf die theoretische Ausbildung aus, was wiederum die gesamte Ausbildungszeit der angehenden Segelflieger*innen und damit auch die Kosten reduziert. Dazu kommt: Im Flugsimulator lässt sich unabhängig von Wetter und Jahreszeit trainieren. Wer längere Zeit nicht geflogen ist, kann darin sein Wissen auffrischen, ohne sofort wieder ins Cockpit zu steigen.

Die innovative technologische Ausstattung ermöglicht ein anschauliches und realitätsnahes Lernerlebnis. Damit entstehen optimale Voraussetzungen, um sich auf die ersten richtigen Flugstunden vorzubereiten. Das begeistert sowohl die Teilnehmenden der Luftwaffe wie auch die Fluglehrer*innen. Für Nikolaus Erbach, Innovation Manager beim CIHBw über das Innovationsvorhaben: „Mit dem VR-Segelflugsimulator haben wir die Ausbildung der Luftwaffe im Segelflug revolutioniert.“

„Mit dem VR-Segelflugsimulator haben wir die Ausbildung der Luftwaffe im Segelflug revolutioniert.“

Nikolaus Erbach, Innovation Manager beim CIHBw

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