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Im Zeichen der Daten: Auf welche Trends sich die BWI 2022 konzentriert

Redaktion BWI

Innovation

Vom Internet of Things zum Internet of Everything

Nur wenige Millimeter unter der Haut am Handgelenk steckt ein kleiner Chip. Er sammelt kontinuierlich Informationen über Vitalwerte: Herzfrequenz, Blutdruck, Bewegungstempo. Was man bislang eher aus dem Bereich der Science-Fiction kennt, könnte in den kommenden Jahren Realität werden. Denn das Internet of Things entwickelt sich zu einem Internet of Everything. Neben Sensoren an Gleisen, wie sie die Deutsche Bahn längst zur Wartungsvorhersage verwendet, werden künftig auch Kleidungsstücke und der Mensch selbst getrackt. Letzteres erprobt das US-amerikanische Neurotechnologie-Unternehmen Neuralink von Elon Musk bereits praktisch. Ein Mikrochip im Gehirn soll beispielsweise bei neurologischen Krankheiten helfen oder die Bedienung von Smartphones verbessern.

Auch für die Bundeswehr und ihr IT-Systemhaus BWI ist das Internet of Everything relevant. Der Erfolg militärischer Operationen hängt zunehmend von der Vernetzung beteiligter Kräfte sowie Systemen, wie etwa Kameras, Drohnen oder unbemannten Land- und Luftsystemen, ab. Aus diesen Daten und Informationen entstehen dann Lagebilder, mit denen militärische Führer schnellere und fundiertere Entscheidungen treffen können. Je präziser und aktueller ein Lagebild desto besser. So könnten auch Daten von Soldat*innen erfasst werden. Befehlshabende wissen dann nicht nur, wo sich ihre Einheiten befinden, sondern auch wie Gesundheits –oder Versorgungszustand sind.

Die nächste Stufe der künstlichen Intelligenz

Wer mit Daten arbeitet, wird an künstlicher Intelligenz (KI) nicht vorbeikommen. KI-basierte Systeme können dabei unterstützen, Daten auszuwerten, Rückschlüsse aus ihnen ziehen und darauf basierend Prognosen zu treffen und Entscheidungen zu unterstützen. Doch wie andere Technologien ist KI ein zweischneidiges Schwert: Die einen sehen darin eine willkommene Unterstützung, für andere ist KI ein Angriffsmittel. So kann sie etwa eingesetzt werden, um IT-Systeme systematisch auf Schwachstellen zu untersuchen, Passwörter zu erraten oder in Form von Malware Benutzerverhalten zu imitieren. Wie Cyberattacken und Desinformationskampagnen die öffentliche Sicherheit erschüttern können, erlebt derzeit die Ukraine.

Auch Deutschland könnte früher oder später in eine solche Situation geraten. Seit einigen Jahren häufen sich Falschnachrichten, beispielsweise zu den Impfkampagnen der Bundesregierung. Letztlich wird die Datensouveränität darüber entscheiden, wer einen strategischen Vorteil erlangt und wer nicht. Für die Bundeswehr entwickelt die BWI bereits seit Jahren intelligente Systeme – auch in puncto Abwehrmechanismen. Beim dritten Data Analytics Hackathon der BWI beispielsweise hat eine Team aus Mitarbeiter*innen der BWI und der Bundeswehr eine Applikation entwickelt, die Fake News mithilfe von „Graph-Frameworks“ beziehungsweise „Graph Neural Networks“ analysiert. Die noch neue Technologie stellt Zusammenhänge durch Graphen anstatt Textklassifikationen dar, was genauere Ergebnisse erlaubt.

Teams und die virtuelle Zusammenarbeit

Auch wenn künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch ist: Der Mensch wird der zentrale Akteur bleiben und nicht durch Maschinen ersetzt werden. Ganz im Gegenteil: Beide dürften einander künftig noch mehr ergänzen. Experten sind sich sicher, dass schon in wenigen Jahren digitale Assistenten entwickelt sein werden, mit denen sich Menschen unterhalten und zusammenarbeiten können. Was derzeit auf „Alexa, such mir ein Rezept für Marmorkuchen“ beschränkt ist, wird sich zu „programmiere das für mich“ wandeln – aktuelles Beispiel die Coding-KI „Alphacode“ der Google-Mutter Alphabet.

Auch die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Menschen entwickeln sich weiter. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie arbeiten viele im Homeoffice und damit virtuell miteinander. Teamwork aber benötigt einen persönlichen Rahmen. Ein Experiment der BWI setzt genau dort an, wo klassische Konferenztechniken wie Audio- und Videotelefonie an ihre Grenzen kommen. Bereits seit 2019 beschäftigt sich die BWI praktisch mit einem technologischen Trend, der seit vergangenem Jahr vor allem durch Facebook-Gründer Mark Zuckerbergs Vision eines „Metaverse“ in aller Munde ist: das Treffen im virtuellen Raum.

Mit dem Experiment „VR-Lage“ testet die BWI-Innovationseinheit innoX Virtual Reality (VR) in der Cloud für Lagebesprechungen. Im virtuellen Raum können Konferenzteilnehmer*innen durch Avatare so miteinander interagieren, als würden sie sich tatsächlich am selben Ort befinden: sprechen, hören, zeigen, Objekte greifen und sich sogar im virtuellen Raum bewegen. Und auch in anderen Bereichen könnten Streitkräfte von der Technologie profitieren. So erprobt der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr (CIHBw) aktuell zusammen mit der Marine „VR-Firefighting Training“, ein auf Virtual Reality basierendes System, das Ausbildung und Übungen zur Brandbekämpfung verbessern soll. Und zusammen mit der Führungsakademie der Bundeswehr testet der CIHBw digitale Lernmethoden mittels Virtual- und Augmented Reality.

(User Centric) Security by Design

Je weiter die Digitalisierung voranschreitet, desto mehr Daten entstehen und je mehr mit Daten gearbeitet wird, desto wichtiger ist es, dass sie geschützt sind. Nicht zuletzt dadurch, dass IT-Lösungen immer agiler und schneller bereitgestellt werden müssen, muss IT-Sicherheit von Beginn an integriert sein, mitgedacht werden. Dieses Modell heißt „Security by Design“. Dabei wird die Sicherheitstechnik von vornherein an den Aufgaben, Abläufen und Wünschen der User*innen ausgerichtet. Möglich wird das zum Beispiel durch automatisierte Qualitätssicherungsprozesse oder die Erteilung personenspezifischer Berechtigungen. Hier kommt ein weiteres Feld zum Tragen, an dem die BWI arbeitet: digitale Identitäten. Mit ihnen können sich Personen auch im virtuellen Raum sicher identifizieren. Zwar hat die BWI bereits einige Funktionen und Experimente realisiert, doch die Idee der Verknüpfung von realen und virtuellem Ich steht noch am Anfang ihrer Entwicklung.

Strategie für eine datengetriebene Zukunft

Damit Behörden und Unternehmen Datennutzung steigern können, müssen sie jetzt die Weichen stellen. Bei der Entwicklung müssen Verwaltung und Industrie heute schon an morgen denken. Sonst läuft Deutschland Gefahr, im Vergleich zu anderen Staaten oder Cyberkriminellen hinterherzuhinken. Das Stichwort lautet: zukunftsorientiertes Handeln. Das bedeutet, die Qualität der gesammelten und gesicherten Daten heute nachhaltig zu optimieren, auf allen Ebenen Datenkompetenz zu schaffen und sich von Datensilos zu verabschieden. Auch der gesetzliche Rahmen muss daran angepasst werden. So schreibt das Datenschutzgesetz heute die zweckgebundene Verwendung von Daten vor. Der Data-driven-Ansatz wendet sich von dieser Einschränkung ab. Er setzt voraus, dass alle Nutzer*innen in der Lage sind, auf Daten zuzugreifen und mit ihnen zu arbeiten– ohne Kompromisse bei Sicherheit und Compliance.

Auch die BWI hat den Weg in eine datengetriebene Zukunft eingeschlagen. 2022 wird sie sich dem Thema mit ihrer unternehmensweiten Innovationskampagne „Data-driven World“ widmen. Denn nur, wenn die BWI zukunftsfähig bleibt, kann sie ihre Kunden unterstützen zukunftsfähig zu bleiben.

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