Harmonisiertes Führungsinformations-
system der Streitkräfte:
Vorstoß in die einsatznahe IT

© Bundeswehr/Maximilian Schulz
Redaktion BWI

Bundeswehr

In der Bundeswehr sind historisch unterschiedliche Führungsinformationssysteme entstanden. Sie wurden in den jeweiligen Teilstreitkräften entwickelt, um die spezifischen Bedürfnisse von Heer, Luftwaffe und Marine zu erfüllen. Hinzu kommen IT-gestützte Systeme etwa zur Aufklärung, des „Militärischen Nachrichtenwesens“ (MilNw) oder der Krisenvorsorge. Ihnen gemein ist der Zweck: Sie sollen militärische Führungsprozesse unterstützen, indem sie dezentrale Informationen bündeln, aufbereiten und zwischen allen Führungsebenen und Truppenteilen ebenen- und bedarfsgerecht zur Verfügung stellen.

Neben dem Problem der Heterogenität erfordern insbesondere Einsätze im multinationalen Verbund, die rasante technologische Entwicklung sowie veränderte Bedrohungsszenarien und Konfliktführung, ein streitkräftegemeinsames Führungsinformationssystem. Insbesondere im Hinblick auf die notwendige Kooperation und Kommunikation zwischen den Systemen. Genau da setzt das 2012 gestartete Programms HaFIS an, mit dem die Bundeswehr die unterschiedlichen Systeme der deutschen Streitkräfte harmonisiert und serviceorientiert ausrichtet, zu einer einheitlichen, gemeinsamen Plattform für nationale und multinationale Einsätze. Architekturelle Basis ist das NATO Architecture Framework (NAF).

Bedeutsames Rüstungsprogramm

Damit schafft HaFIS auch die Voraussetzungen für die qualitative und quantitative Erweiterung zum German Mission Network (GMN), das darauf abzielt, die Interoperabilität bei internationalen Einsätzen zu verbessern. Zudem soll damit perspektivisch der „notwendige Einstieg in eine zukunftsfähige Rüstung modularer und skalierbarer IT-Services für verschiedene Sicherheitsdomänen im stationären sowie verlegefähigen Betrieb“ möglich werden. Neben der Digitalisierung landbasierter Operationen (D-LBO) ist HaFIS/GMN ein für das Fähigkeitsprofil der Bundeswehr bedeutsames Rüstungsprogramm, wie es im zweiten Bericht zur Digitalen Transformation heißt, den das Bundesministerium der Verteidigung Mitte Mai veröffentlicht hat. HaFIS stelle „den technischen Kern der Fähigkeiten zur Führung von Streitkräften auf mehreren Führungsebenen heute und in der Zukunft zur Verfügung“.

HaFIS-Systempflege und Betrieb

Seit Jahresbeginn unterstützt die BWI die Bundeswehr bei der Systempflege von HaFIS, also Änderungen an der Software, Updates oder das Bugfixing. Zu den Leistungen gehören unter anderem auch der Betrieb von Subsystemen wie Integrations-, Test- und Ausbildungsanlagen sowie das Incident- und Problem Management. Außerdem koordiniert die BWI First-, Second und Third Level Support und berät bei der Systemarchitektur. Zuvor arbeitete sie bereits mit an HaFIS-Datenschutz- und IT-Sicherheitskonzepten.

Seit Mitte Mai erbringt die BWI auch Betriebsleistungen für die HaFIS-Infrastruktur, über die die derzeit ungefähr 5.000 Nutzer auf das System zugreifen. Damit unterstützt sie das Betriebszentrum IT-System der Bundeswehr (BITS) in Rheinbach im dortigen HaFIS-Rechenzentrum. Zu den IT-Services zählen insbesondere Infrastruktur- und Plattformdienste, also etwa das Berechtigungsmanagement, Server-Management und -Virtualisierung, Softwareverteilung, Administration und Konfiguration von Firewall-Systemen, Datensicherung und -wiederherstellung sowie Speicher- und Kapazitätsmanagement. Zudem stellt die BWI eine Rufbereitschaft für die Services und unterstützt das BITS bei Entstörmaßnahmen.

 

Dabei untersucht das IT-Systemhaus auch, wie Services für HaFIS künftig remote, also per Fernzugriff, erbracht werden können. Das Ziel: mehr Geschwindigkeit, Effizienz und weniger Ressourceneinsatz. Die Besonderheit: HaFIS ist ein sogenanntes rotes System. Die Informationen, die damit verarbeitet werden, sind geheim bis streng geheim. Ebenso wie beim Militärischen Nachrichtenwesen, also der „Nutzerorientierten Kommunikation der Bundeswehr“ (NuKomBw), deren Betrieb seit Jahren zu den Aufgaben der BWI zählt. Auch remote.

Aufgrund der strategischen Bedeutung hat die BWI im Oktober 2018 das Programm „HaFIS/GMN“ aufgesetzt, das die Projekte im Umfeld HaFIS steuert und dafür zuständig ist, die Gesamtplanung auch von zukünftigen Aktivitäten mit den entsprechenden Stellen in der Bundeswehr abzustimmen. „Wir koordinieren die Zusammenarbeit mit Projekten und anderen Programmen in der BWI und unterstützen unsere Kolleginnen und Kollegen bei der Umsetzung“, erläutert Udo Leisten, Programmleiter „HaFIS/GMN“ in der BWI.

„HaFIS ist ein wichtiger Schritt für die BWI. In vielfacher Hinsicht. Wir übernehmen Verantwortung für einsatznahe IT, begegnen Kernanforderungen der Bundeswehr, erweitern unser Portfolio und kommen den strategischen Vorgaben unseres Eigentümers nach.“

Martin Kaloudis, Chief Executive Officer BWI GmbH

Ein großer Schritt

Ein wesentliches Ziel der Aufgabenverlagerung in die BWI ist es, weiteres IT-Personal der Bundeswehr von administrativer Arbeit zu entlasten, damit es sich auf Kernfähigkeiten der deutschen Streitkräfte konzentrieren kann. Eines der Hauptziele der BWI seit ihrer Gründung Ende 2006. Das Unternehmen macht zudem den nächsten großen Schritt bei der Übernahme von Systemanteilen einsatznaher beziehungsweise „grüner“ IT. Noch bestehen die Aufgaben der BWI in den HaFIS-Projekten vor allem in der Steuerung, Koordination und Qualitätssicherung. Fachliche Aufgaben kommen Schritt für Schritt hinzu. „Unser mittel- bis langfristiges Ziel ist es, IT-Services für HaFIS und GMN in das Portfolio der BWI zu überführen und im Verbund mit bereits bestehenden Services aus einer Hand liefern zu können“, sagt Stefan Gerlach, verantwortlicher Accountmanager in der BWI für HaFIS/GMN.

Das Folgeprojekt German Mission Network

Die Bundeswehr hat mit dem Projekt HaFIS die verschiedenen Führungsinformationssysteme in eine einheitliche, teilstreitkräfteübergreifende Systemarchitektur überführt, die operative und taktische Informationen für die entsprechenden Führungsebenen und für alle Truppengattungen schneller verfügbar macht.

2019 fiel der Startschuss, um das harmonisierte Führungsinformationssystem in den kommenden Jahren zu erweitern und dessen Interoperabilität bei multinationalen Einsätzen zu verbessern. Das German Mission Network, so der Name des Nachfolgesystems, soll die heute noch räumlich getrennten IT-Einsatzsysteme zu einem physischen, logischen System zusammenführen und so Fähigkeiten zur nationalen und multinationalen Einsatz- und Operationsführung auf einer streitkräftegemeinsamen Plattform bereitstellen. Das Ziel: ein interoperables, integriertes multinationales System-of-Systems, voll kompatibel mit dem NATO Federated Mission Networking (FMN). Weiterentwickelt wird das GMN in Blöcken. Zu Block eins gehören neben Gefechtsständen sechs große und 26 kleine verlegefähige Rechenzentren, die über ihre eigene Cloud komplett autark arbeiten können. Und auch beim Betrieb der verlegefähigen Rechenzentren soll die BWI künftig unterstützen.

„Für die Bundeswehr geht es bei HaFIS um die technische Fähigkeit, streitkräftegemeinsame Operationen führen zu können, national und multinational. Wir sind stolz, beim Betrieb dieses Systems unterstützen zu können.“

Martin Kaloudis, Chief Executive Officer BWI GmbH

Im Zentrum des Einsatzes

Die Führungsfähigkeit der Bundeswehr im Einsatz muss jederzeit gewährleistet sein, auch wenn die Funkverbindung ausfällt. Und HaFIS steht gemeinsam mit D-LBO im Zentrum der Einsatzführung – eine große Verantwortung für die BWI, aber auch eine Chance. Bundeswehr und BWI arbeiten bis 2025 an einem gemeinsamen, kooperativen Betriebsmodell. Im Mittelpunkt steht dabei die Serviceorientierung, also die Entwicklung von Services, die plattformunabhängig angeboten werden können. Egal, ob für Rechenzentren im inländischen Grundbetrieb oder verlegefähig im Einsatz. HaFIS ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.
 

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