Eva-Charlotte Klösser: With a little help from my friends

© Sportograf
Redaktion BWI

Unternehmen, Karriere

You are an Ironman“ – dass das mal jemand zu ihr sagen würde, konnte sich Eva – wie sie von allen genannt wird – 2018 noch nicht vorstellen. Damals verfolgte sie den Ironman Frankfurt im Fernsehen und dachte: Das ist unmöglich, da musst du gar nicht drüber nachdenken. Vier Jahre später machte die heute 30-Jährige das für sie Unmögliche möglich.

Weil ihre Eltern viel Wert auf die sportliche Betätigung ihrer Kinder legten, spielte Eva als Jugendliche aktiv Volleyball und Tennis. Ihre tatsächliche Leidenschaft – Fußball – entdeckte sie erst nach dem Abitur und spielte einige Jahre in der thüringischen Kreisoberliga bei der SG Merxleben. Außerdem ist Eva eine begeisterte Radsportlerin: Sie liebt das Training auf den vielseitigen Strecken zwischen Erfurt und Oberhof, immer entlang des Rennsteigs: „Bei der Fahrt durch die grüne Natur kann ich so gut abschalten und Dank des anspruchsvollen Geländes ist zur Pause unterwegs auch mal ein Stück Kuchen drin.“ 

Trotz aller Begeisterung für den Radsport hatte Eva keine Triathlon-Erfahrung, bestehend aus Schwimmen, Radfahren und Laufen, worauf es beim Ironman ankommt: Alle drei Ausdauerdisziplinen nähergebracht hat ihr ausgerechnet eine Sportverletzung.

Verletzungspech eröffnet ungeahnte Perspektiven

2019 zog Eva sich beim Fußballspiel einen Kreuzbandriss zu, der auch operiert werden musste. Die Folge: Sechs Monate Trainingsverbot – ein harter Schlag für die Sportlerin. „Meine Kolleginnen und Kollegen haben mich hervorragend unterstützt und mir den Rücken für alle erforderlichen Therapien freigehalten. Der Fokus lag ganz klar darauf, dass ich wieder fit werden soll. Dabei hat mir sehr geholfen, dass alle im Team jederzeit ein offenes Ohr für mich hatten“, so Eva.

 

Vor allem der Zuspruch von Evas Kollegin und langjähriger Freundin Nicole Schmidts, deren Themengebiet in der Abteilung im Testmanagement liegt, begleitete sie durch diese Zeit. Aber nicht nur auf Nicole konnte sie zählen: „Mein Chef hat mich auf einer Dienstreise auch schon mal vom Bahnhof abgeholt, damit ich mit der Verletzung nicht so viel laufen musste. Das war großartig“, berichtet Eva. 

Eva kreativ – hier ein Schnappschuss beim Brainstormen mit BWI-Kolleg*innen. © BWI GmbH/privat

Die Motivation war da – nun ging es an die Umsetzung

Ihre Verletzung konnte sie jedoch nicht langfristig vom Sport fernhalten: Nachdem alles einigermaßen gut abgeheilt war, begann Eva noch während des Genesungsprozesses zunächst mit dem Schwimmen und Radfahren. Später fand sie auch den Einstieg ins Laufen – nicht gerade ihre Lieblingsdisziplin, wie sie betont. Den Antrieb für ihren Wechsel zu den drei Sportarten gab zudem ausgerechnet die Corona-Pandemie: In dieser Zeit durfte erstmal kein Fußballtraining mehr stattfinden. So fokussierte Eva sich mehr oder weniger zufällig auf die Ausdauerdisziplinen des Triathlons: „Auf einer 70 Kilometer Radtour kam ich ins Grübeln: Was mach‘ ich hier eigentlich, was ist mein Ziel?“, erinnert sie sich. So entstand die Idee der Vorbereitung für einen Triathlon-Wettkampf. „Gerade nach dem Kreuzbandriss wollte ich wissen: Wie weit kann ich kommen, wenn ich mir ein hohes Ziel setze und es verfolge?“, so Eva. Damit stand das Ziel – und zum Ironman Hamburg im Juni 2022 sollte es soweit sein.

Zwischen Triathlon-Vorbereitung und Job

Christian Thuillier, Leiter der BWI-Abteilung Koordination und Kommunikation von Applikationen und Evas Chef, war einer der Ersten, die eingeweiht wurden: „Christian und unser gesamtes 14-köpfiges Team haben mich wirklich unglaublich toll unterstützt“, sagt sie, „Nicole Schmidts, eine meiner weltbesten Supporter, hat schon mal einen Arbeitstermin für mich übernommen und gesagt: ‚Geh ruhig trainieren‘“. Selbst sportbegeistert und oft in Laufschuhen unterwegs, hatte Nicole viel Verständnis für den Ehrgeiz von Eva. Und der war groß: 16 Stunden Training erforderte die Vorbereitung jede Woche.

Ein neuer Tagesablauf

In Vorbereitung des Wettkampfs stand Eva um sechs Uhr morgens auf. Sie absolvierte ihr Schwimmtraining – mal in der Schwimmhalle, mal im Pool im elterlichen Garten – und startete dann in ihren Arbeitstag.

 

Die zweite Trainingseinheit folgte nach der Arbeit, gelegentlich nutzte Eva auch die Mittagspause für eine Laufeinheit. Der nun deutlich strammere Terminkalender hat ihr Organisationstalent sehr gefordert. Das sieht sie durchaus positiv: „Beim Sport geht es ja um Disziplin und Zuverlässigkeit und für den Arbeitsalltag kann man daraus viel, vor allem Willensstärke, lernen“, findet Eva. Auch gab es anstrengendere Tage mit wichtigen beruflichen Terminen, an denen die Sporteinheiten irgendwie nebenbei laufen mussten. „Da muss man dann durch!“. Sehr hilfreich war dabei die flexible Arbeitszeit bei der BWI: „Ich konnte mich weitgehend selbstständig organisieren und so Arbeit und Sport gut balancieren. In Absprache mit meinem Chef und dem über München, Erfurt, Bonn und Nürnberg verteilten Team lief das immer problemlos.“

Früh am Morgen stand für Eva das Schwimmtraining auf dem Programm. © BWI GmbH/Nicole Schmidts

Gelebte BWI-Prinzipien

In Evas Abteilung, Koordination und Kommunikation für Applikationen, ist der Name Programm: Die Mitarbeiter*innen beschäftigen sich im Bereich des IT Service Managements unter anderem mit der Koordination von Projekten, Schulungen und dem Onboarding. Außerdem führen sie betriebliches Test- und Qualitätsmanagement durch.

Dass sich durch Evas Triathlon-Vorbereitung noch einmal gezeigt hat, wie stark der Zusammenhalt und das Teamwork innerhalb der Abteilung sind, freut auch Führungskraft Christian Thuillier:  „Ich habe damals zu Eva gesagt: Ein Ironman, das ist Wahnsinn – aber wir unterstützen dich, so gut es geht!‘. Ich fand es toll, zu sehen, wie die BWI-Prinzipien dabei gelebt wurden. Das Team hat Eva den nötigen Freiraum zum Trainieren gegeben und sie auch an schwierigen Tagen unterstützt. Und ganz im Sinne des Vorleben-Prinzips haben wir auch etwas von ihrer unglaublichen Motivation abgekriegt. Wir sind alle sehr stolz auf Eva!“, so Christian.

„Ich fand es toll, zu sehen, wie unsere BWI-Prinzipien dabei gelebt wurden.“

Christian Thuillier

Mit Support von Familie und Team in den Wettkampf gestartet

„Anfangs gab es schon einige Menschen in meinem Umfeld, die immer wieder gefragt haben, ob ich das wirklich durchziehen möchte – aber je länger ich trainiert habe, desto klarer wurde: Sie meint es ernst“, erinnert sich Eva. Am Tag des Wettkampfs in Hamburg war dann ein zehnköpfiger ‚Fanclub‘ für Eva am Rand der Strecke, um sie anzufeuern.

 

„Der Support war gigantisch, mit Megafonen und roten T-Shirts mit dem Schriftzug ‚GO EVA GO‘, konnte ich meine Leute in der Menge gut ausmachen“. Wer nicht vor Ort sein konnte, hatte vorab motivierende Botschaften geschickt und konnte Evas Position im Wettkampf online mitverfolgen. Diese positive Energie konnte sie gut gebrauchen, denn die Nacht zuvor war kurz gewesen –  zu viel Adrenalin!

Familienmitglieder und Freunde feuern Eva am Rande der Strecke des Ironmans an – BWI-Kollegin und Freundin Nicole Schmidts (ganz rechts im Bild) war dafür extra aus Krefeld angereist. © BWI GmbH/privat

„You are an Ironman!“

Der Start lief gut, auf der 3,8 Kilometer langen Schwimmstrecke durch die Binnen- und Außenalster kam Eva gut voran. Wechsel zur 180 km-Raddistanz: „Ich war gut unterwegs und konnte sogar einige Teilnehmende ‚einsammeln‘!“. Dann das Malheur: Über die Aufregung hatte Eva auf dem Rad zu wenig gegessen und getrunken und erlebte einen ersten Tiefpunkt in dem Triathlon. Kurze Pause, ernähren, weitermachen – es wartete ja noch der 42,195 Kilometer lange Lauf. „Da dachte ich wirklich: Wie sollst du jetzt noch die Marathondistanz schaffen?“, erinnert sich Eva. Sie wechselte auf der Strecke das Tempo ab und bewältigte sie mal gehend, trabend oder laufend.

 

„Dein Körper arbeitet!“

 

Nach der zweiten Runde Laufen holte die Anstrengung Eva ein. „Mir hat wirklich alles wehgetan – bei jedem Schritt haben meine Muskeln gebrannt“. Kurz kam der Gedanke auf, es mit der Halbmarathondistanz gut sein zu lassen…. Es half alles nichts – der von vielen Langstreckenläufern zitierte „Mann mit dem Hammer“ war da.

 

„Gerettet hat mich in dem Moment mein Onkel Christoph, der auch an der Strecke war und über 300 Meter neben mir herlief. Er ist Arzt und rief mir zu: „Nicht nachdenken, einfach weiterlaufen. Dein Körper arbeitet!“. Das war der Wendepunkt, erzählt Eva: „Da wusste ich: Ich schaffe das!“

 

Nach Runde Vier ging es in den Zielkanal. Getragen vom frenetischen Jubel der Zuschauer konnte Eva sogar noch einmal richtig ‚Gas geben‘ und überquerte überglücklich die Ziellinie. „Im Zielbereich gab es – nicht für jeden – einen Magic Button mit dem Symbol des Ironmans darauf. Auf den durfte ich springen, dann ging die Lichtershow los!“, erinnert sie sich. „Alle haben gejubelt – und dann hörte ich den magischen Satz: ‚EVA. YOU ARE AN IRONMAN!‘“.

Geschafft! Überglücklich überquert Eva die Ziellinie. © Sportograf


Chapeau!

Eva-Charlotte Klössers Leistung ist beachtlich: Rund 2.800 Teilnehmende waren gemeldet für den Ironman – ins Ziel kamen insgesamt ca. 1.800 der Teilnehmenden. Ein Erfolg auf der ganzen Linie: Nicht nur für die Triathletin Eva, sondern auch für den Teamspirit in der gesamten BWI-Abteilung.

 

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