BWI verbindet: Zusammen mit dem Rennrad durch Österreich

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Karriere

Dass Dennis Keilus mal darüber nachdenken würde, wann es Zeit für die nächste Flasche Flüssignahrung ist, hätte er nie gedacht. Der IT-Experte kümmert sich sonst darum, neue Netzwerkkomponenten in Liegenschaften der Bundeswehr oder der BWI zu installieren. Auch Patrick Pecher hätte nie damit gerechnet, einmal Bengalos und Seifenblasen auf offener Straße zu zünden, um einen Kollegen beim Radfahren anzufeuern. Doch als ihnen René Tschörner bei einem Feierabendbier erzählt, er wolle bei einem Rennen innerhalb eines Tages 560 Kilometer mit dem Rennrad zurücklegen, waren beide Feuer und Flamme.

Eingespieltes Team

Tschörner ist Leiter des Teams „LAN-Regeneration“ der BWI und oft in ganz Deutschland unterwegs. An wechselnden Standorten arbeitet der 52-Jährige häufig mit Keilus zusammen. Pecher ist remote mit von der Partie – als Fachgruppenleiter ist er vom Central-Operations-Standort in Rheinbach bei Bonn aus für die technische Planung zuständig, die Keilus und Tschörner dann vor Ort umsetzen.

Die Drei kennen sich gut, zumindest im Rahmen des BWI-Umfelds. Doch eine 24-stündige Radtour ohne richtige Pausen miteinander überstehen? Das ist eine Herausforderung von ganz anderem Kaliber. „Bei so einer Tour lernt man sich nochmal von einer anderen Seite kennen. Nach über zehn Stunden auf dem Rad hatte ich nicht mehr die Energie für gute Laune“, lacht Tschörner.

„Als Team haben wir bis jetzt alles erfolgreich geschafft – sogar Systemausfälle um 2 Uhr früh.“

Dennis Keilus, Teamleiter Deployment Management Realisierung & Support, BWI

Das Team macht den Erfolg

Das Rennen bestreiten dabei jedoch nicht alle drei auf dem Fahrrad. Tschörner allein kämpft sich auf zwei Rädern durch Oberösterreich – seine Kollegen kümmern sich um die Verpflegung und kundschaften den Weg vor ihm aus. „So ein Rennen erfordert Teamwork. René musste sich ganz auf sich, sein Rad und die Straße konzentrieren. Wir haben uns um den Rest gekümmert“, erzählt Pecher.

Doch auch drei Leute reichen nicht aus, um so ein Projekt zu bewältigen. Für ein derart langes Rennen braucht es neben dem Radfahrer noch einen Versorgungswagen mit allen Vorräten und ein Spähfahrzeug, um den Weg vor Tschörner frei von Hindernissen zu halten. Also rekrutierte der leidenschaftliche Rennradfahrer noch Phillip Heizmann und Joachim Heuer. Letzterer sponsorte ihm sogar das Rad und den Versorgungswagen und brachte seine Schwester mit ins Team. „Als Ernährungsberaterin und Physiotherapeutin konnten wir unmöglich auf Heike verzichten. Als sie auch noch anbot, den Versorgungswagen zu fahren, war die Sache klar“, berichtet Joachim Heuer.

Nach wie vor hatte jedoch niemand von ihnen je so eine Situation erlebt – das machte Tschörner Sorgen. „Ich hatte das Gefühl, sie wussten gar nicht genau, worauf sie sich da wirklich einlassen“, wirft er ein. „Aber das haben sie mir nie gezeigt. Alle waren unglaublich motiviert und enthusiastisch und haben mich regelrecht damit angesteckt.“ Deswegen stand Aufgeben für Tschörner nie zur Debatte.

Ruhe vor dem Sturm

Am Mittwoch, den 12. August, ist es dann so weit: Um kurz vor fünf geht es für Tschörner auf die Bühne – ein paar Worte mit dem Moderator wechseln. Der Rest des Teams macht sich in den Fahrzeugen bereit und wartet auf das Zeichen. Keilus und die Heuer-Geschwister im Versorgungswagen, gerüstet mit unzähligen Flaschen Flüssignahrung, Salztabletten, einem Funkgerät und dem wegweisenden Road-Book. Und Heizmann und Pecher im Späh-Fahrzeug, um den Weg vor Tschörner auszukundschaften und ihn zu motivieren. Als die riesige Digitaluhr anzeigt „17:50“ geht es los.

René Tschörner und seine „Timemachine“ beim Race around Austria © privat© privat

20 Stunden Zusammenhalt

Jeder kennt seine Aufgaben und weiß genau, was zu tun ist. Pecher und Heizmann fahren als Späher voraus und entdecken schon bald ein Hindernis: Ein Auto parkt in einer Kurve. Das könnte für Tschörner gefährlich werden, also melden sie es sofort Keilus, der im Versorgungsfahrzeug alles im Road-Book notiert. Das Spähen erfordert höchste Konzentration: Wird eine Gefahrenstelle übersehen, könnte es den Rennfahrer nicht nur ausbremsen, sondern im schlimmsten Fall zu einem Unfall führen.

Auch Keilus‘ Aufgabe hat es in sich: Jede Stunde fährt der Versorgungswagen dicht an Tschörner, um ihm eine Flasche mit Flüssignahrung zu übergeben und die leere Flasche wieder einzusammeln. Ein Drahtseilakt, bei dem jeder der drei Beteiligten vorsichtig und trotzdem schnell handeln muss. Jede vierte Stunde gibt es außerdem eine Salztablette. Keilus muss ihn stets daran erinnern, da sich Tschörner voll und ganz auf sich konzentriert.

Denn er hat anderes im Kopf: Abgesehen von der körperlichen Anstrengung birgt auch die Strecke einige Herausforderungen. Denn der Weg wird zum Ende hin immer bergiger, die Straßen immer steiler. Teilweise beträgt die Steigung 16 Prozent.

„Wenn man 500 Kilometer in den Knochen hat, fühlen sich 16 Prozent Steigung an, als würde Lava durch die Venen fließen.“

René Tschörner, Teamleiter Deployment Management Realisierung, BWI

An dieser Stelle läuft Heizmann sogar kurzerhand neben Tschörner her und ruft ihm ermutigende Worte zu. Um für Abwechslung zu sorgen, setzt Pecher während des Rennens Seifenblasen, Bengalos und sogar einen Akkordeonspieler ein, damit Tschörner nicht den Mut verliert.

Und endlich: Gegen 14 Uhr ist die Ziellinie in Sicht. Erleichterung macht sich breit – gemischt mit ein wenig Unglauben. „Haben wir es wirklich geschafft? In dem Moment habe ich es gar nicht richtig realisiert“, schildert Keilus seine Erfahrung. 20 Stunden und sieben Minuten stehen auf dem Zeitmesser, davon Pause: sieben Minuten. „Und das, obwohl niemand von uns je zuvor etwas Vergleichbares versucht hatte und wir uns gegenseitig kaum kannten“, erwidert Pecher lachend.

Alle für Einen

Tschörner, Pecher und Keilus haben bei dieser Herausforderung vor allem eines zu schätzen gelernt: Wie wichtig es ist, auf seine Teamkollegen vertrauen zu können. „Auch für unsere Zusammenarbeit in der BWI haben wir durch das Rennen einiges dazugelernt“, meint Keilus.

Obwohl sie schon vorher ein gutes Team waren, hat die Teilnahme am „Race Around Austria“ die Drei weitergebracht. Besonders in der Kommunikation, da sich alle gegenseitig besser einschätzen können. „Schließlich kennen wir uns jetzt auch mit Schlafentzug und schlechter Laune“, lacht Keilus. Außerdem ist den Kollegen nochmal mehr bewusst, dass es bei Teamwork darauf ankommt, auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten und sich gegenseitig zu unterstützen, statt nur für sich selbst zu denken – wie eben auch beim „Race Around Austria“.
 

„Gerade in Extremsituationen bleibt keine Zeit, alles zu hinterfragen. Man muss seinen Teamkollegen blind vertrauen können.“

Patrick Pecher, Fachgruppenleitung technische Planung LAN, BWI

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