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BWI-CEO Kaloudis über digitale Verteidigungsfähigkeit: „Nichts geht ohne IT“

Redaktion BWI

Bundeswehr

Im Interview geht BWI-CEO Martin Kaloudis auf die verschiedenen Herausforderungen ein, die damit verbunden sind. Seine Antworten zeigen: Egal ob in der Administration, im Einsatz oder im Cyberraum – ohne IT ist die Bundeswehr nicht einsatzfähig.

Wenn es um die Ausrüstung der Bundeswehr geht, ist häufig die Rede von Fahrzeugen, Waffen oder Kleidung. Welche Rolle spielen IT und Digitalisierung dabei?

Ob Einsatzgerät, Cybersicherheit, Führungsfähigkeit oder Kommunikationslösungen: IT ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für ein zukunftsfähiges Handeln der Bundeswehr. Denn was im zivilen Leben gilt, ist auch im Militärischen längst Realität: Ohne IT geht es nicht. Eine stabile IT-Infrastruktur, digitale Anwendungen und Tools gehören zu einer einsatzfähigen Bundeswehr zwingend dazu.

Wichtig ist: Bei der Digitalisierung steht der Nutzen für die Bundeswehr und die Soldatinnen und Soldaten im Fokus. Prozesse sollen effizienter werden, Entscheidungen können schneller getroffen, Zeit und Kosten gespart werden. Kapazitäten für wichtige Kernaufgaben rund um die Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr werden frei. Digitalisierung trägt somit dazu bei, die Effektivität und die Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr zu erhöhen.

Wo steht die Bundeswehr mit ihrer Digitalisierung?

Die Bundeswehr hat nach der IT-Konsolidierung im HERKULES-Projekt eine stabile Basis und eine sehr gute Qualität im IT-Betrieb durch die BWI. Auf dieser Grundlage lassen sich erfolgreich digitale Lösungen in verschiedensten Bereichen, von Personalgewinnung bis hin zum Battle Management System entwickeln, mit denen eine BWI als Digitalisierungspartner in einsatznahe Themen hineinwächst und mit der Industrie neue Lösungen anbietet. Insgesamt steigt der Bedarf, zum Beispiel nach sicherer mobiler Kommunikation oder nach KI-Anwendungen, etwa zur Krisenfrüherkennung. Die Bundeswehr vertraut bei der Entwicklung von digitalen Lösungen auf die innovativen Fähigkeiten der BWI, wie die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags, Eva Högl, in ihrem Jahresbericht schreibt.

Wenn wir von der Digitalisierung der Bundeswehr sprechen, geht es aber nicht immer nur darum, neue, innovative Lösungen zu entwickeln. Die Basis zählt: Ein stabiles und sicheres IT-System auf dem neuesten Stand der Technik ist die Voraussetzung für eine effektive digitale Verteidigungsfähigkeit. Die BWI sorgt seit vielen Jahren dafür, dass sich die Bundeswehr auf diese Basis verlassen kann, auch im Einsatz- oder im Krisenfall.

Ändert sich hier der Bedarf durch den Krieg in der Ukraine?

Die aktuelle Situation zeigt erneut: Ein resilientes IT-System ist besonders wichtig. Es geht darum, hybriden Angriffen besser zu begegnen. Wir rechnen damit, dass hier in Zukunft noch mehr Leistung von uns gefordert sein wird, etwa in Bezug auf höhere Verfügbarkeiten oder bei der Sicherstellung des Rechenzentrumsbetriebs. Dafür sehen wir uns gut gewappnet. Als IT-Systemhaus der Bundeswehr übernehmen wir diese Verantwortung in besonderem Maße.

Aktuell haben wir in Absprache mit der Bundeswehr in manchen Bereichen eine erhöhte Bereitschaft sichergestellt, um bei Bedarf schneller zu reagieren. Außerdem haben wir ein Gremium eingerichtet, in dem wir gemeinsam mit der Bundeswehr alle neuen Anforderungen der Bundeswehr bündeln, damit diese schnell und unbürokratisch zu beauftragt werden können.

IT im Einsatz – ist das überhaupt ein Thema für die BWI?

Ja, denn wenn wir über Digitalisierung sprechen, können wir die einsatznahe IT nicht ausklammern. Technologien entwickeln sich rasant, Bedrohungsszenarien und die Art der Konfliktführung verändern sich, darauf muss die Bundeswehr reagieren. In den letzten Jahren haben sich die Aufgaben der BWI auch dahingehend gewandelt. Die aktuelle Situation wird diese Entwicklung mit Sicherheit noch einmal verstärken. Auch auf dem Gefechtsfeld und in Einsatzgebieten schreitet die Digitalisierung voran. Die BWI leistet unter anderem bereits seit längerem ihren Beitrag zu streitkräftegemeinsamen digitalen Führungsinformationssystemen, die Interoperabilität und Datenaustausch zwischen den Streitkräften und den Partnern im multinationalen Verbund, zum Beispiel der NATO, ermöglichen. IT im Einsatz ist also bereits seit einiger Zeit Thema für die BWI und gehört auch zu ihrem Auftrag.

Im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine wird viel über potentielle Gefahren durch Cyberattacken gesprochen. Wie ist die Bundeswehr hier aufgestellt und welche Aufgabe hat hier die BWI?

Kriege werden heutzutage hybrid geführt, als eine Kombination aus klassischen Militärmitteln, wirtschaftlichem Druck, Hackerangriffen auf kritische Infrastrukturen, gezielten Cyberattacken auf die Streitkräfte bis hin zu Desinformationskampagnen in Medien und sozialen Netzwerken. Cybersecurity ist daher ein kritischer Erfolgsfaktor für die digitale Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr. Als Digitalisierungspartner der Bundeswehr haben wir eine besondere Expertise für die Risiken des Cyberraums und für wirksame Detektions- und Abwehrmechanismen. Aber nicht nur das: In solchen Zeiten wie jetzt entfaltet sich der Begriff „Partnerschaft“ in besonderem Maße. Etablierte Kommunikationswege, ein über Jahre gereiftes Netzwerk und das gegenseitige Wissen über Fähigkeiten schafft eine Grundlage, um schnell und wirkungsvoll handeln zu können. Dazu haben wir die richtigen Expertinnen und Experten und die nötigen Kapazitäten, um mit bewährten Methoden und neuen Lösungen die Bundeswehr und damit Deutschland resilienter gegen die stetig wachsenden und sich verändernden Cyberbedrohungen aufzustellen.

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