Business Management der Military IT: Steuerung der Projekte und Programme der militärischen IT

Karriere, Soldaten

Im Interview spricht Dr. Markus Schiffer über aktuelle Projekte, neue Aufgaben im Ausland und darüber, warum seine Arbeit besonders interessant ist.

Herr Schiffer, seit 2019 ist die BWI für Aufträge der Bundeswehr in der militärischen IT zuständig. Sie leiten dabei den Teilbereich Business Management. Wofür ist er verantwortlich?

Unsere Kernaufgabe ist es, alle Projekte und Programme der einsatznahen IT zu steuern. Zusätzlich kümmern wir uns als Stabsabteilung um das Qualitäts- und Risikomanagement. Für mich ist das Management der Projekte der einsatznahen IT dabei eine der spannendsten Aufgaben in der BWI: Wir übernehmen die Verantwortung für unterschiedlichste Projekte, die allesamt von enormer Bedeutung für die Bundeswehr und häufig Pionierarbeit sind.

Momentan koordinieren wir beispielsweise die Einführung eines Battle Management Systems (BMS) für die NATO-Speerspitze VJTF, also der Very High Readiness Task Force. Das BMS ist als streitkräftegemeinsame Technologie ein zentraler Bestandteil bei der Digitalisierung landbasierter Operationen. Das System soll dafür sorgen, dass die Bundeswehr Informationen in Einsätzen interoperabel und bruchfrei zwischen Gefechtsständen, Einheiten und Verbündeten austauschen kann. Hier ist der Druck für uns besonders hoch, da sich nicht nur die BWI sondern Deutschland als Nation gegenüber der NATO verpflichtet hat, dieses System fristgerecht bereitzustellen. 
 

Wo liegen in den nächsten Jahren die größten Herausforderungen für Ihr Team?

Das Battle Management System hat ohne Frage die höchste Priorität im Moment. Die Komplexität des Projekts und das enge Zeitfenster sind enorm anspruchsvoll. Zum Beispiel müssen verschiedene Geräte, darunter spezielle Laptops und Tablets, in die Bundeswehrfahrzeuge eingebracht und mit dem Führungsinformationssystem in der Zentrale vernetzt werden. Ein perfektes Zusammenspiel zwischen Hardware und Software ist da ausschlaggebend. Nicht nur hier sondern generell müssen wir im Bereich der einsatznahen IT immer wieder neue Wege finden, anstatt ausgetretenen Pfaden zu folgen.

Beispielsweise arbeiten wir daran im Programm HaFIS („Harmonisierung der Führungsinformationssysteme“) mehr und mehr Betriebsverantwortung für dieses als geheim eingestuftes System in der BWI zu übernehmen. Als einen ersten wichtigen Schritt haben wir die Verantwortung für ganze Supportbereiche und die Steuerung der derzeitigen Unterauftragnehmer übernommen. Um die digitale Souveränität der Bundeswehr zu stärken, ist es unsere Aufgabe in einem Transitionsprojekt Schritt für Schritt die externen Dienstleister durch eigene Kräfte der BWI zu ersetzen. Zusätzlich schaffen wir der Bundeswehr Freiräume, um die wichtigen IT-Soldaten in militärischen Kernbereichen einzusetzen, die nicht von der BWI übernommen werden können.  

„Im Bereich der einsatznahen IT müssen wir immer neue Wege finden, anstatt ausgetretenen Pfaden zu folgen.“

Dr. Markus Schiffer, Leiter Business Management, Military IT, BWI

Bisher war die BWI nur innerhalb Deutschlands aktiv, Sind Sie und ihr Team zukünftig auch für internationale Projekte verantwortlich?

Ja, das wird so sein. Die Wenigsten wissen, dass die Streitkräfte regulär mehr als 6.000 Soldaten und Mitarbeiter im Ausland haben. Sondereinsätze, wie die in Afghanistan, zählen da gar nicht mit rein. Unsere Abteilung ist für die Steuerung solcher Projekte im Ausland verantwortlich, denn die BWI ist beauftragt den IT-Support der Auslandsliegenschaften in über 80 Ländern zu übernehmen. Dazu müssen zunächst die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit die BWI im Ausland konform mit der Steuergesetzgebung arbeiten darf. Das Konzept dazu haben wir gemeinsam mit der Rechts- und Finanzabteilung der BWI entwickelt. 

Als erste Umsetzung arbeiten wir an der steuerlichen Registrierung einer BWI Betriebsstätte in Frankreich im Q1 2021. Weitere europäische Länder werden zügig folgen. Für den Standort Evreux in Frankreich stehen wir unter hohem Zeitdruck die IT-Infrastruktur Mitte 2021 betriebsbereit zu haben, damit die neue deutsch-französische Flugzeugtransportstaffel den Betrieb aufnehmen kann. Die Klärung aller IT-rechtlicher Rahmenbedingungen für den IT-Betrieb im Ausland ist eine echte Herausforderung, bei der wir Hand-in Hand mit vielen Abteilungen der BWI zusammenarbeiten. Neben den rechtlichen Rahmenbedingungen müssen wir auch zusammen mit dem BWI Fieldservice ein neues Logistik- und Supportkonzept für das Ausland entwickeln. Es ist schon sehr motivierend bei diesem grundlegenden Neustart für die BWI Auslandstätigkeit federführend mitwirken zu können.
 

Welche Fähigkeiten sind unabdingbar, um in Ihrem Team erfolgreich zu sein?

Zunächst einmal braucht es besonders im Bereich der einsatznahen IT den Willen sich in die Sichtweise der Bundeswehr hineinzuversetzen, um das nötige Verständnis zu erlangen. Zudem geht es häufig auch darum IT-Betriebe zu übernehmen. Das sind letztlich klassische IT-Transitions- und Transformationsprojekte wie bei HaFIS. Damit wir diese komplexen Transitionen managen können benötigen wir Projektleiter mit Erfahrung in diesem Bereich des IT-Managements. 

Häufig müssen wir die Steuerung der bisherigen Dienstleister übernehmen, daher ist es wichtig, externe Unterauftragnehmer effizient führen zu können. Da wir in einem Umfeld mit vielen Akteuren arbeiten, wird ein gutes Fingerspitzengefühl benötigt, um die Meinungen und Interessen unterschiedlichster Akteure aufzunehmen und austarieren zu können.  Dabei ist auch die externe sowie interne Kommunikation wichtig – bei uns sind das  enge Absprachen mit der Bundeswehr und den Fachbereichen der BWI. 

In unserer Abteilung muss man sich auch bewusst sein, dass wir in der einsatznahen IT viel Verantwortung für die Streitkräfte übernehmen. Deswegen ist unser Bereich auch gut geeignet für ehemalige Soldatinnen und Soldaten, die ihre bisherigen Kenntnisse über Abläufe und Struktur in der Bundeswehr gewinnbringend einsetzen möchten. 
 

Apropos Privatwirtschaft: Sie haben vor Ihrer Zeit bei der BWI fast 20 Jahre lang in der klassischen IT-Branche gearbeitet. Warum der Wechsel? 

Zum einen hat mich die Aufgabe selbst gereizt. Eine Affinität zu den Themen der Bundeswehr hatte ich immer schon. Aber vor allem treibt mich die Bedeutung unserer Arbeit an. Was wir hier tun, hat einen tieferen Sinn. Es geht nicht darum, einfach möglichst viel Profit zu generieren, sondern wir unterstützen unsere Soldatinnen und Soldaten und damit die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Man kann also viel bewirken. Noch dazu sind die Aufgaben enorm vielfältig: Niemand ist fest auf nur ein Projekt festgelegt, sondern kann sich intern weiterentwickeln. Außerdem bereitet es mir Spaß, Schwierigkeiten zu lösen und neue Projekte voranzutreiben. Wenn ich nach einem langen Arbeitstag weiß, dass ich dazu beigetragen habe, Steine aus dem Weg zu räumen und Neues möglich zu machen, dann empfinde ich das als sehr erfüllend.

„Es geht nicht darum, einfach möglichst viel Profit zu generieren, sondern wir unterstützen unsere Soldatinnen und Soldaten und damit die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.“

Dr. Markus Schiffer, Leiter Business Management, Military IT, BWI

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